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13. Juni 2016

ADEXA-Erlebnis- und Gewerkschaftstag 2016: Stressbewältigung durch Achtsamkeit

ADEXAs Erste Vorsitzende Stücken-Neusetzer begrüßte rund 100 Teilnehmer in Dresden beim 6. Erlebnis- und Gewerkschaftstag (Foto: ADEXA/sjo)
Barbara Stücken-Neusetzer gab einen Überblick über die pharmazeutische Tradition Dresdens (Foto: ADEXA/sjo)
Olaf Altner, Psychotherapeut und Achtsamkeits-Lehrer, stellte die Möglichkeiten der Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) vor (Foto: ADEXA/sjo)
Dipl.-Psych. Olaf Altner mit ADEXA-Juristin Minou Hansen (Foto: ADEXA/sjo)
DAZ-Herausgeber und Referent Peter Ditzel mit Barbara Stücken-Neusetzer (Foto: ADEXA/sjo)
Zukunftsvisionen und -szenarien für das Apothekenteam (Foto: ADEXA/sjo
Trotz zunehmernder Digitalisierung bleibt die Empathie gegenüber dem Apothekenkunden wichtig (Foto: ADEXA/sjo)
Gefragtes Programm: Die Veranstaltung in Dresden war ausgebucht (Foto: ADEXA/sjo)
Tamara Schäfer weckte Interesse für die Aromatherapie-Hausapotheke (Foto: ADEXA/sjo)
Viele interessierte Nachfragen: Referentin Tamara Schäfer im Gespräch (Foto: ADEXA/sjo)
Der Leiter der Dresdener Heilpraktiker-Schule, Dietrich Mühlberg, referierte über Nervensystem, Schlafstörungen und Mittel zur Stressbekämpfung (Foto: ADEXA/sjo)
Heilpraktiker Mühlberg: Mittel aus der Phytotherapie und Schüßler-Salze haben keine negativen Auswirkungen auf die Schlafphasen (Foto: ADEXA/sjo)
Alle vier ADEXA-Ehrenmitglieder nahmen am Gewerkschaftstag in Dresden teil: Ina Zenker, Reinhild Berger, Gisa Haeger und Ulla Odendahl (v. l.). Foto: ADEXA/sjo
Dresden zeigt Flagge gegen Fremdenfeindlichkeit (Foto: ADEXA/sjo)
Position beziehen gegen Rassimus und rechtsnationales Gedankengut - auch für Gewerkschaften wichtig (Foto: ADEXA/Susanne Kocheim)
Treppe zur Brühlschen Terrasse (Foto: ADEXA/Susanne Kocheim)
Foto: ADEXA/sjo
Foto: ADEXA/sjo
Foto: ADEXA/sjo
Zwinger (Foto: ADEXA/sjo)
Dresdens Zwinger (Foto: ADEXA/sjo)

Rund einhundert Teilnehmer nahmen am 11. Juni in Dresden am sechsten ADEXA-Erlebnis- und Gewerkschaftstag teil. Die drei Fachvorträge standen unter dem Motto „Gesund und gelassen im Arbeitsalltag“. Außerdem lud DAZ-Herausgeber Peter Ditzel die Anwesenden zu einer Zeitreise in die Apothekenzukunft ein.

In ihrer Begrüßung ging ADEXAs Erste Vorsitzende Barbara Stücken-Neusetzer auf die wirtschaftliche und insbesondere die pharmazeutische Tradition Dresdens ein. Außerdem warf sie einen Blick auf die jüngeren gesellschaftspolitischen Entwicklungen rund um die islam- und fremdenfeindliche Pegida-Bewegung. Als positives Beispiel für den Widerstand gegen dieses rechtspopulistische Gedankengut zitierte Stücken-Neusetzer von der offiziellen Website der Stadt: „Jeder, der einen Neustart in Dresden wagt, hat eine Chance verdient. Das gilt für jeden, der hier ist, und für jeden, der hier ankommt.“  Es sollte aber auch für jede andere Stadt in Deutschland gelten, so die Gewerkschaftsvorsitzende.

Neben den vier ADEXA-Ehrenmitgliedern Reinhild Berger, Gisa Haeger, Ulla Odendahl und Ina Zenker begrüßte Stücken-Neusetzer auch diverse junge Mitglieder, die seit einem ersten Treffen im Hamburg Anfang des Jahres im Kontakt untereinander und mit dem ADEXA-Team stehen.

Achtsamkeit ist mehr als ein Modebegriff

Achtsamkeit – das mag zunächst ein bisschen esoterisch klingen. Tatsächlich hat aber der US-amerikanische Mediziner Jon Kabat-Zinn 1979 an der Universität von Massachusetts ein entsprechendes Programm entwickelt und zunächst an chronischen Schmerzpatienten mit Erfolg erprobt. Mit Dipl.-Psych. Olaf Altner stellte ein ausgewiesener Kenner die Grundzüge der Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) vor. Nach Kabat-Zinn gehören sieben Aspekte zur Achtsamkeit: Nicht-Bewerten, Geduld, Anfängergeist, Vertrauen, Nicht-Tun, Akzeptanz und Loslassen. Das bedeute aber nicht, dass man durch die Methode vor der Realität weglaufe oder Änderungsprozesse unterdrücke. Altner lud die Teilnehmer auch zu einer Übung ein, die man im Rahmen eines informellen Achtsamkeitstrainings im Alltag praktizieren könne.

Viel IT, aber nicht ohne Empathie

Im Anschluss zeigte Peter Ditzel, welche Trends und „Zukünfte“ auf die Apotheken und ihre Teams zukommen. Steigen wird in jedem Fall der Grad der Vernetzung durch IT-Anwendungen, auch wenn gerade mit dem E-Health-Gesetz der Sprung in die digitale Zukunft noch sehr holperig wirkt. Die Denkfabrik 2b AHEAD ThinkTank hat in einer Trendstudie für den Apothekerverband Nordrhein fünf Szenarien für die Apotheke 2026 skizziert, von denen sicher einige oder auch alle gleichzeitig Wirklichkeit werden könnten:        

  • Vollapotheke im Jahr 2026
  • Integration der Apotheke in das MVZ
  • Die digital kompetente Apotheke
  • Die Pflegeapotheke
  • Apotheker als Gesundheitscoach

Neben diesen möglichen Spezialisierungen und der unaufhaltsamen Digitalisierung sieht Ditzel als wesentliche Stärke der Mitarbeiter die Empathie gegenüber den Apothekenkunden.

Schnuppern erlaubt

Tamara Schäfer nahm die Teilnehmer nach der Mittagspause mit auf einen Duftspaziergang durch die aromatherapeutische Hausapotheke: engagiert und von ansteckender Begeisterung für die Anwendungen in Wellness, Therapie und Pflege – mit kleinen Schlenkern zu Haustieren und Küche. „Düfte, die nicht natürlichen Ursprungs sind, haben keine heilsame Wirkung“, so die Referentin. Schäfer empfahl u. a. Orange als Einstiegsduft, Neroli als Notfallöl und Grapefruit zur Raucherentwöhnung. Neben den ätherischen Ölen sind auch die Hydrolate von z. B. Rose oder Pfefferminz interessant.     

Phytos und Schüßler-Salze für die Nerven

Der Leiter der Dresdner Heilpraktikerschule Dietrich Mühlberg empfahl Heilpflanzen sowie die Schüßler-Salze Nr. 5 und Nr. 7, die sich in der Behandlung von stressbedingten Erkrankungen und in der Prävention bewährt haben. Im Gegensatz zu synthetischen Schlafmitteln sind die Auswirkungen pflanzlicher bzw. „biochemischer“ Präparate auf die Schlafqualität und -phasen deutlich günstiger, so die Erfahrung des Heilpraktikers.

Fachgruppentreffen und AG

Für diverse aktive ADEXA-Mitglieder war nach dem Fortbildungsprogramm noch nicht Schluss: So tagten die beiden Fachgruppen ApothekerInnen und  PI/ApothekerassistentInnen und weitere Arbeitsgruppen.

Save the date!

Der 7. ADEXA-Erlebnis- und Gewerkschaftstag findet am 6. Mai 2017 in Mainz statt.

Dr. Sigrid Joachimsthaler

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17. April 2016

Was hilft gegen die Altersarmut? Renten in der Diskussion

Eigentlich ist nur eins sicher: So weitergehen kann es mit dem derzeitigen System aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Rentenversicherung nicht. Denn in Deutschland wächst eine so massive Altersarmut heran, dass es den Zusammenhalt der Gesellschaft wie die Sozialkassen sprengen könnte. Aber was tun? Renten werden gerade zum Wahlkampfthema. Die Lösungsvorschläge sind jedoch umstritten.

Zahlen der OECD von 2015 zeigen: Im europäischen Vergleich schneiden die Deutschen in puncto Rente mehr als schwach ab. Während niederländische und österreichische Rentner sich über 90 Prozent ihres früheren Nettoeinkommens freuen können, liegt das deutsche Rentenniveau mit 50 Prozent noch weit unter dem OECD-Schnitt von 63 Prozent.

Neurentner bekommen hierzulande sogar nicht einmal 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes. Und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht: Bis 2030 soll das Niveau der gesetzlichen Rente auf 43 Prozent sinken. Dann wird jeder zweite Rentner mit seinen Altersbezügen unter dem Existenzminimum liegen, so Berechnungen des WDR.

Selbst wer 45 Jahre lang mit 11,50 Euro und 38,5 Wochenstunden deutlich über dem aktuellen Mindestlohnniveau verdient, kommt nicht über 788 Euro Rente hinaus, was dem Grundeinkommen entspricht. Das hat der Linken-Abgeordnete Matthias Birkwald ausrechnen lassen.

Keine der drei Säulen trägt richtig

Aber nicht nur die erste Säule im Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge ist nicht tragfähig: Auch die betriebliche Altersvorsorge (bAV) und die private Absicherung können einer Verarmung weiter Bevölkerungskreise nicht vorbeugen. Das liegt zum einen an den niedrigen Zinsen, die die Rendite in beiden Bereichen schmelzen lässt, und an teuren Vorsorge-Produkten, die nur die Gewinne der Anbieter im Fokus haben. Das liegt aber auch daran, dass viele kleinere Betriebe keine bAV anbieten.  Und diejenigen Arbeitnehmer, die es besonders nötig hätten, können sich die Vorsorge nicht leisten. Für die private Absicherung gilt ähnliches. Hinzu kommt, dass die zweite und dritte Säule freiwillig sind, obwohl der Staat eine Vorsorge über die gesetzliche Rente hinaus fest eingeplant hat.

Kein Wunder, dass jetzt im Jahr vor den nächsten Bundestagswahlen aus den Parteien sowohl Wehgeschrei als auch diverse Vorschläge zu hören sind: Deutschlandfonds, Lebensleistungsrente, Einzahlung auch von Selbstständigen und Beamten …

Klar ist, dass die Riesterrente in ihrer jetzigen Form nicht verhindern wird, dass gerade Geringverdiener, Alleinerziehende und Langzeitarbeitslose im Rentenalter auf staatliche Unterstützung angewiesen sein werden. Doch die vorgeschlagene Alternative, ein staatlich aufgelegter Deutschlandfonds mit niedrigen Gebühren, müsste sich gegen massive Widerstände der privaten Versicherungswirtschaft durchsetzen. Hier ist Skepsis angesagt.

In der betrieblichen Altersvorsorge werden Tarifpartner aller Branchen neue Wege beschreiten müssen, wenn diese Säule gestärkt werden soll. Übrigens: Im neuen Tarifvertrag für die medizinischen Fachangestellten wurde der monatliche Arbeitgeberbeitrag für Vollzeit und Teilzeit bis mindestens 18 Wochenstunden auf jetzt 76 Euro erhöht. Bei weniger als 18 Stunden gibt es 43 Euro und für Azubis 53 Euro im Monat. Auch im Apothekenbereich ist es höchste Zeit, hier nachzujustieren! Und auch der Gesetzgeber wird die Rahmenbedingungen anpassen müssen. Dazu gehört eine Verpflichtung für beide Seiten, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, sich an der bAV zu beteiligen.

Und über kurz oder lang wird man wohl auch dazu kommen müssen, die Versicherungspflicht der gesetzlichen Rentenversicherung auf alle Gruppen von Beschäftigten auszudehnen – also auch auf Selbstständige, Freiberufler und Beamte.

Eine weitere Renten-Baustelle: die von der Großen Koalition bis 2020 geplante Angleichung der Renten in Ost und West. Auch hier zeichnen sich bereits Verteilungskämpfe zwischen Rentnern und Arbeitnehmern ab.

Dr. Sigrid Joachimsthaler