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17. Juli 2016

Psychische Gefährdungsbeurteilung – Teil 2: Gefährdungsfaktor Stress

Dauerhafter Stress – zum Beispiel durch Arbeitsverdichtung, Personalknappheit oder organisatorische Mängel – kann Mitarbeiter belasten und ist ein Risikofaktor für psychische Erkrankungen. Deshalb müssen in der nach § 5 Arbeitsschutzgesetz vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung auch solche Stressoren ermittelt werden.

Die Arbeit nimmt einen großen Raum im Leben eines Menschen ein: Sie dient heutzutage nicht ausschließlich der Existenzsicherung, sondern gleichermaßen der Identitätsbildung. Viele Berufstätige verbringen mehr Zeit mit ihren Kollegen und Kolleginnen am Arbeitsplatz als mit den Freunden oder der Familie. Psychische Belastungen, die im Zusammenhang mit der eigenen Berufstätigkeit wahrgenommen werden, können zu Stresserleben und zur psychischen Erschöpfung führen, die gesundheitliche Beschwerden diverser Art begünstigen.

Individuelle Reaktion auf Belastungen

Erlebter Stress wird häufig mit Belastung gleichgesetzt. Die beiden Begriffe sollten jedoch nicht synonym verwendet werden. Belastungen sind objektive Faktoren wie Zeitdruck, hohes Arbeitspensum, Lärm oder Störungen bei der Arbeit. Stress ist dagegen die Reaktion auf die gegebenen Belastungen. Der Grad der individuellen Reaktion ist von den Merkmalen einer Person, der Situation oder auch von verfügbaren Ressourcen abhängig. Stresserleben ist demnach weitgehend individuell. Im beruflichen Kontext geht es bei der Beurteilung der psychischen Belastungen unter anderen um die Erfassung aller Stressoren im Arbeitsumfeld, die mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu Stressreaktionen führen können.

Belastungsquellen

Belastungen können mit der Aufgabe selbst oder mit der zu erfüllenden Arbeitsrolle zusammenhängen. Darüber hinaus können sie ihren Ursprung im sozialen oder materiellen Umfeld haben. In Zusammenhang mit der Arbeitsaufgabe ist beispielsweise zu klären, ob das Personal seinen Qualifikationen entsprechend eingesetzt ist oder ob es dauerhaft mit den zu erfüllenden Aufgaben überfordert ist. Störungen und Unterbrechungen, Zeitdruck und unklare oder widersprüchliche Vorgaben gehören ebenfalls zu den typischen Belastungen, die die Aufgabenerfüllung beeinträchtigen können. Weitere Belastungsfaktoren können sich aus sozialen Spannungen und Konflikten, Mangel an Anerkennung, starren Arbeitszeiten, fehlender Unterstützung im Team oder Sorge um den Arbeitsplatz ergeben.

Gefahr droht bei Dauerstress

Kurzfristige Konfrontationen mit solchen Belastungen stellen in der Regel kein wesentliches Problem dar. Erst die permanente Wirkung von mehreren Faktoren gleichzeitig kann negative Wirkungen sowohl auf den Mitarbeiter als auch mittelfristig auf das Unternehmen ausüben. Chronischer Stress und Überforderung kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken und zu längeren Fehlzeiten am Arbeitsplatz führen. Mitarbeiter, die unter Zeitdruck arbeiten, können relevante Informationen übersehen und folgenreiche Fehler oder Unfälle bei der Arbeit erzeugen. Eine Orientierung und Hilfestellung bei der Durchführung der psychischen Gefährdungsanalyse im Betrieb bieten Informationen und Checklisten, die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zur Verfügung (BAuA) gestellt werden.

Maßnahmen bei hoher psychischer Belastung

Um den beruflichen Stress zu minimieren, empfehlen sich Maßnahmen, die auf die Ebene des Verhaltens der Mitarbeiter (Verhaltensprävention) und der Verhältnisse am Arbeitsplatz (Verhältnisprävention) abzielen. Im Mittelpunkt der Maßnahmen zur Verhaltensprävention stehen die Mitarbeiter selbst. Im Rahmen von Stressmanagementseminaren wird der Umgang mit Belastungssituationen erlernt. Die Teilnehmer lernen dabei, die Stressoren zu reduzieren und zu relativieren. Die Verhältnisprävention zielt darauf ab, die psychischen oder psychosozialen Belastungen am Arbeitsplatz zu reduzieren. Hierbei sind ganzheitliche Maßnahmen zu empfehlen, die sowohl zur Optimierung der Arbeitsumgebung als auch der Arbeitsaufgabe führen. Beispiel: rotierender Einsatz der Mitarbeiter im Laufe des Arbeitstages, um einseitige Belastungen durch langes Stehen, Sitzen, komplexe Tätigkeiten und somit den körperlichen und mentalen Leistungsabfall im Tagesverlauf zu minimieren.

ADEXA bietet Stressmanagementseminare an

Apothekenangestellte sind diversen Stressoren ausgesetzt, dazu gehören unter anderem Emotionsarbeit, geringer Entscheidungsspielraum, Unvorhersehbarkeit der Ereignisse oder Zeitdruck. Für Mitglieder bietet ADEXA Stressmanagementseminare an, die speziell auf die Bedürfnisse der Apothekenmitarbeiter abzielen. Stressmanagementseminare dienen dabei sowohl zur Selbsthilfe als auch fachlich zur Erweiterung der eigenen Beratungskompetenzen, um künftig Apothekenkunden und Ratsuchende noch besser beraten zu können.

Tatiana Dikta, B. Sc. und PTA
Stressmanagementtrainerin