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21. Oktober 2016

Arbeitszeitreport 2016 der BAuA: Häufige Überstunden sind ein Gesundheitsrisiko

Vollzeitbeschäftigte arbeiten im Schnitt mit 43,5 Wochenstunden fünf Stunden mehr als vertraglich vereinbart. Bei den Teilzeitbeschäftigten liegt der Durchschnitt bei 23,1 Stunden. Die Überstunden beruhen oft auf einem Arbeitspensum, das in der ausgemachten Zeit nicht bewältigt werden kann. Zu diesem Ergebnis kommt der Arbeitszeitreport 2016 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

Von den Teilzeitbeschäftigten arbeiten fast drei Viertel in sogenannter langer Teilzeit, d. h. zwischen 20 und 34 Wochenstunden*. 17 Prozent leisten mehr als zwei bis zu fünf Überstunden pro Woche und 7 Prozent mehr als fünf Überstunden.

Teilzeit ist immer noch mehrheitlich weiblich. Bei den unter Dreißigjährigen, die meist noch vor der Familiengründung stehen, sind die Unterschiede allerdings gering.

Von den rund 20.000 von der BAuA Befragten ist etwa die Hälfte mit der Länge ihrer Arbeitszeiten zufrieden. Wer in Teilzeit arbeitet, möchte dagegen oftmals mehr Stunden tätig sein.

Während Männer im Verlauf ihrer Erwerbsbiografie relativ gleichbleibende tatsächliche und gewünschte Arbeitszeiten haben, variiert dies bei Frauen stärker in Abhängigkeit von der jeweiligen Lebens- und Familiensituation. Was nicht verwundert: Bei Alleinerziehenden weichen Wunsch und Wirklichkeit bei den Arbeitszeiten besonders stark auseinander.

Wer seine Arbeitszeit verkürzen will, tut dies aber nicht nur aus familiären Verpflichtungen. Auch der eigene Gesundheitszustand spielt eine Rolle: Er wird von Beschäftigten, die ihre Stunden reduzieren wollen, im Vergleich schlechter bewertet als von denen, die mit dem Zeitumfang zufrieden sind.

Keine Pausen wegen Termin- und Arbeitsdruck

Für längere Arbeitszeiten und Überstunden sind häufig betriebliche Gründe verantwortlich: Die Studienautoren nennen hier Termin- und Leistungsdruck, eine Überforderung durch die Menge der Arbeit und das Ausfallen von Arbeitspausen. Letzteres ist übrigens auch in Apotheken ein Problem, wie die ADEXA-Rechtsberatungspraxis zeigt.

Wer lange und überlange Arbeitszeiten sowie häufige Überstunden angab, berichtete auch über mehr gesundheitliche Beschwerden, geringere Arbeitszufriedenheit und eine schlechtere Work-Life-Balance, so die BAuA- Forscher.

Arbeiten, wenn andere frei haben

43 Prozent der befragten nichtselbständig Erwerbstätigen arbeiten regelmäßig am Wochenende; davon jeweils etwa die Hälfte nur samstags oder auch an Sonn- und Feiertagen. Weit verbreitet ist die Samstagsarbeit u. a. im Dienstleistungssektor. Wochenendarbeit belastet besonders, weil sie in „sozial wertvoller Zeit“ stattfindet. Insbesondere Frauen sind hier stark beansprucht – das betrifft sowohl ihren Gesundheitszustand, ihre Arbeitszufriedenheit als auch ihre Work-Life-Balance.

Flexibel – aber wem nützt es?

Ein Arbeitszeitkonto wird für 61 Prozent der abhängig Beschäftigten geführt. Gerade im Dienstleistungsbereich müssen die Konten häufig in verhältnismäßig kurzer Frist ausgeglichen werden, so der BAuA-Report.

In kleinen Betrieben sind die eigenen Handlungsspielräume für Arbeitnehmer geringer als in größeren Unternehmen. Hier ist es auch häufig der Arbeitgeber, der die Verwendung von Zeitguthaben vorgibt. Wer selbst Einflussmöglichkeit auf seine Arbeitszeiten hat, ist dagegen gesünder und zufriedener.

Immerhin jeder siebte ist häufigen Änderungen der Arbeitszeit aufgrund betrieblicher Belange ausgesetzt; gelegentlich trifft es etwa jeden vierten Beschäftigten.

Im Bereitschaftsdienst oder Rufbereitschaft arbeiten 12 Prozent der Befragten. Dies geht „deutlich mit gesundheitlichen Beschwerden“ einher. Darüber hinaus wird von etwa einem Fünftel erwartet, auch in der Freizeit erreichbar zu sein. Bei mehr als 10 Prozent führt das auch in der Praxis zu häufigen dienstlichen Kontakten.

„Die Flexibilität hat demzufolge sowohl positive als auch negative Aspekte“, schreiben die Autoren. Entscheidend sei, ob die persönlichen Entscheidungsspielräume erweitert oder eingeengt würden. Zeitautonomie stelle eine Ressource dar, ein geringer Handlungsspielraum und kurzfristig angekündigte Änderungen dagegen eine Belastung. Problematisch sei, dass hohe Anforderungen an die zeitliche Flexibilität oftmals auch mit einer hohen Arbeitsintensität gekoppelt seien.

Rechtsberatung zur Arbeitszeit

Auch im Apothekenbereich gibt es häufig Probleme rund um das Thema Arbeitszeit. Als ADEXA-Mitglied wenden Sie sich bitte an die gewerkschaftliche Rechtsberatung (info@adexa-online.de)

Dr. Sigrid Joachimsthaler

 

*Die BAuA definiert Teilzeit als Arbeitszeit bis 34 Wochenstunden und Vollzeit ab 35 Wochenstunden.

Quelle: BAuA (2016). Arbeitszeitreport Deutschland 2016. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

 

Zitiert

„2015 wurden fast eine Milliarde unbezahlte Überstunden geleistet, da sind wir in Europa leider „Spitzenreiter“. Es gibt aber auch Positives: Die bezahlten Überstunden sind zwar seit 1991 um die Hälfte geschrumpft, auf etwa 850 Millionen, aber sie sind nicht weg, sondern liegen auf Arbeitszeitkonten.“

Christina Schildmann, Leiterin des Wissenschaftlichen Sekretariats der Kommission „Arbeit der Zukunft“ bei der Hans-Böckler-Stiftung, im Interview mit heute.de.