zurück zur Übersicht AKTUELLES >>

28. September 2016

Fragen an ABDA-Präsident Friedemann Schmidt: „Die digitale Revolution bewältigen“

Kurz vor dem Deutschen Apothekertag 2016 im München hat ADEXA den Präsidenten der ABDA und der Sächsischen Landesapothekerkammer, Friedemann Schmidt, zu seinen berufspolitischen Zielen und Überzeugungen befragt: 

ADEXA: Herr Schmidt, kommt nach dem Leitbild 2030 die Approbationsordnung 2030 – oder muss das Pharmaziestudium schon vorher grundlegend  erneuert werden? Und wenn ja, wie kann das realisiert  werden?
Friedemann Schmidt:
Der Erneuerungsprozess hat bereits begonnen. Bundesapothekerkammer und Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft haben sich zunächst darauf verständigt, zu überprüfen, ob eine inhaltliche Anpassung des Studiums an die im Perspektivpapier beschriebenen Anforderungen innerhalb der aktuell gültigen Approbationsordnung möglich und sinnvoll ist. Dieses Verfahren kann den notwendigen Anpassungsprozess beschleunigen und gleichzeitig die strukturellen Risiken einer kompletten Novellierung vermeiden. Die Ergebnisse dieses Schrittes erwarten wir im ersten Quartal 2017.

ADEXA: Welchen Stellenwert haben in Ihrem eigenen Apothekenteam und in der von Ihnen vertretenen Berufspolitik  die Berufsgruppen PKA, PTA und Approbierte?
Schmidt: In unserer Apotheke arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Berufsgruppen. Ich bin stolz auf unsere Mitarbeiter und habe auch den Eindruck, dass sie gern bei uns arbeiten. Alle arbeiten im Rahmen ihrer speziellen Kompetenzen sehr eigenverantwortlich. Mein zentrales berufspolitisches Ziel mit Blick auf die öffentliche Apotheke ist die Sicherung und Stärkung der bewährten Struktur der wohnortnahen inhabergeführten Apotheken. Damit schaffen wir auch die wichtigste Voraussetzung für gute Arbeitsbedingungen.

ADEXA: Glauben Sie, dass Gesundheitspolitiker, Medien und Bevölkerung die Arbeit der Apothekenangestellten ausreichend kennen und wertschätzen?
Schmidt: In den letzten Jahren ist es gelungen, die Wahrnehmung der fachlichen Rolle der Apotheken und aller ihrer Mitarbeiter in den Laienmedien deutlich zu verbessern. Was aber viel wichtiger ist: Die Bevölkerung setzt größtes Vertrauen in die Institution Apotheke und die dort tätigen Menschen. Das zeigen alle aktuellen Umfragen und das ist für mich das entscheidende Kriterium für die Beurteilung der Wertschätzung.

ADEXA: Welche Ziele stehen für die nächste Zeit an – besonders auch im Bereich Öffentlichkeitsarbeit?
Schmidt: Die ABDA wird in den nächsten Jahren die im Perspektivpapier formulierten Zielsetzungen weiter verfolgen. Wesentlicher Schwerpunkt wird dabei die Bewältigung der digitalen Revolution sein, die unsere Berufsausübung ganz entscheidend beeinflussen wird. Dafür schaffen wir gegenwärtig die notwendigen Voraussetzungen. Die Öffentlichkeitsarbeit begleitet und unterstützt diesen Prozess.

ADEXA: Macht es nach Ihrer Erfahrung einen Unterschied, ob in standespolitischen Gremien angestellte Approbierte zahlenmäßig angemessen repräsentiert sind oder nicht?
Schmidt: Die ABDA ist die Interessenvertretung aller 60.000 in unserem Land tätigen Apothekerinnen und Apotheker, unabhängig von ihrem Tätigkeitsfeld und ihrer Beschäftigung. Über die Zusammensetzung der ABDA-Gremien entscheiden die Mitgliedsorganisationen. Eine angemessene Repräsentation von Kolleginnen und Kollegen, die ihren Beruf in nichtselbständiger Stellung ausüben, halte ich für sehr sinnvoll.

ADEXA: Welche Bedeutung haben für Sie Tarifverträge?
Schmidt: Die Tarifpolitik ist in den Händen der ADEXA und der zuständigen Organisationen auf Arbeitgeberseite gut aufgehoben. Sie gehört nicht zum Aufgabenbereich des ABDA-Präsidenten.

ADEXA: Wie stehen Sie zu einer tariflichen Honorierung von Fort- und Weiterbildung?
Schmidt: Fort- und Weiterbildung sind ein zentrales Element unserer Berufsausübung als akademische Heilberufler und Voraussetzung für eine erfolgreiche Tätigkeit in allen Berufsfeldern. Ob ein Anreizmechanismus zu ihrer Förderung in der tariflichen Systematik sinnvoll ist, darüber entscheiden die Tarifpartner.

ADEXA: Herr Präsident, vielen Dank für Ihre Antworten.

Fragen: Barbara Stücken-Neusetzer, Dr. Sigrid Joachimsthaler

zurück zur Übersicht AKTUELLES >>

26. September 2016

Fehler und Lücken im Arbeitszeugnis: Ergebnisse der Online-Umfrage von ADEXA

Arbeitszeugnisse sind im Apothekenbereich verbreitet, aber auch nicht selten eine Quelle von Auseinandersetzungen zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber. Laut einer Umfrage von ADEXA  mussten mehr als die Hälfte der Teilnehmer Korrekturen von der Apothekenleitung anfordern.

Bei den Korrekturen ging es in einem Drittel der Fälle um fehlende Inhalte oder unvollständige Angaben. Bei 28 Prozent war die Bewertung der Leistung strittig. Immerhin 24 Prozent mussten Formalitäten wie Rechtschreibfehler, Firmenpapier, Datum oder ähnliches reklamieren.

Der Anteil derer, die sich mit der Apothekenleitung gütlich einigen konnten oder als ADEXA-Mitglieder Unterstützung der Rechtsberatung in Anspruch genommen hatten, war mit rund 20 Prozent ähnlich hoch. Rund sechs Prozent hatten sich selbst einen Anwalt gesucht.

Wie wichtig ist die Tätigkeitsbeschreibung?

Jeweils 41 Prozent der Befragten halten die Tätigkeitsbeschreibung für „sehr wichtig“ bzw. „eher wichtig“ für künftige Arbeitgeber, 13 Prozent finden sie „weniger wichtig“. Nur vier Prozent bewerten sie als „irrelevant“.

Bei 56 Prozent war die Tätigkeit vollständig, aber wenig ausführlich dargestellt. Immerhin 30 Prozent gaben an, eine sehr ausführliche Tätigkeitsbeschreibung erhalten zu haben.  Bei 13 Prozent war sie unvollständig. Dass die Beschreibung der Tätigkeiten komplett fehlte, monierten zwei Teilnehmer (1 Prozent) 

Wie entsteht das Zeugnis?

Bei 83 Prozent der Teilnehmer hat die Apothekenleitung das Arbeitszeugnis ohne Beteiligung der Betroffenen erstellt. Nur zwölf Prozent gaben an, sie hätten es gemeinsam erarbeitet.

Dazu sagt ADEXA-Juristin Minou Hansen: „Wir empfehlen regelmäßige Mitarbeitergespräche, bei denen Tätigkeitsbereiche oder Zielvereinbarungen schriftlich fixiert werden. Daraus lässt sich dann im Falle einer Kündigung relativ schnell ein gehaltvolles Zeugnis erstellen.“ Für tarifgebundene Mitarbeiter gibt § 19 Bundesrahmentarifvertrag (bzw. RTV Nordrhein) folgende Ansprüche vor: vor dem Ausscheiden auf Wunsch des Mitarbeiters ein vorläufiges Zeugnis, bei Beendigung ein endgültiges Zeugnis. Wenn vom Arbeitnehmer gewünscht, muss das Zeugnis, „erschöpfende Angaben über Art und Umfang der Tätigkeit sowie über Führung und Leistung erhalten“.

Hansen: „Dieser Anspruch muss nach § 20 BRTV innerhalb einer Frist von drei Monaten nach Ende des Arbeitsverhältnisses schriftlich geltend gemacht werden. Je früher Sie Ihren Wunsch gegenüber dem bisherigen Chef anmelden, desto besser. Das gilt natürlich auch, wenn wir Sie als Mitglied in der Rechtsberatung unterstützen sollen.“

Der Wert von Arbeitszeugnissen bei der Bewerbung

Gefragt hatten wir die Mitarbeiter auch, welchen Wert neue Arbeitgeber auf ein ausführliches Arbeitszeugnis legen. 23 Prozent gaben hier an, auf das Zeugnis angesprochen worden zu sein.

An der ADEXA-Umfrage beteiligten sich rund 160 Teilnehmer.

Dr. Sigrid Joachimsthaler