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02. Mai 2016

Lehren aus dem Boots-Skandal: Bessere Arbeitsbedingungen, mehr Patientensicherheit

Die britische Apothekenkette Boots UK Limited ist in die Schusslinie geraten. Es geht nicht nur um die Frage, ob tatsächlich überflüssige Medikationsanalysen bei Leistungsträgern abgerechnet wurden. Angestellte klagen über eine derart hohe Arbeitsbelastung, dass sie ihre Gesundheit und die Sicherheit von Patienten in Gefahr sehen.

Britischen Medienberichten zufolge haben Manager von Boots versucht, möglichst viele Medicine Use Reviews (MUR), sprich Medikationsanalysen, beim National Health Service (NHS) abzurechnen. Ein ausführlicher Artikel ist bei DAZ.online zu finden. Jenseits des mutmaßlichen Betrugs zeigt sich einmal mehr, wie sehr Angestellte unter Druck gesetzt werden, um Gewinne zu maximieren.

Patienten in Gefahr

„The Guardian“ erhielt in diesem Zusammenhang mehrere E-Mails von Boots-Angestellten. „Letztes Jahr forderte mich meine Managerin auf, allein in einer sehr belebten Filiale zu arbeiten“, schreibt ein Kollege. Als er die Vorgesetzte auf Gefahren für die eigene Gesundheit und auf Risiken für Patienten hinwies, antwortete sie lapidar, dies seien Vorwände, um den Job nicht zu machen. Ein weiterer Angestellter ergänzt: „Ich mache mir oft Sorgen, etwas übersehen zu haben oder Fehler bei der Arzneimittelabgabe gemacht zu haben.“ Die quälenden Gedanken hinderten ihn gelegentlich daran, abends einzuschlafen. Andere Nachrichten spiegeln die Arbeitsbelastung wider. Wenig Personal, viele Kunden, unterschiedliche Tätigkeiten – „In einer Boots-Filiale ist es äußerst schwierig, Patienten umfassend zu beraten. (...) Dafür ist einfach keine Zeit vorgesehen.“

Personalschlüssel für öffentliche Apotheken

„Der Skandal in Großbritannien zeigt, dass rein ökonomische Interessen Angestellte und Patienten gleichermaßen gefährden“, konstatiert ADEXAs Erste Vorsitzende Barbara Stücken-Neusetzer. Die Apothekengewerkschaft hatte mehrfach gefordert, in Deutschland verbindliche Personalzahlen per Apothekenbetriebsordnung festzulegen. Entsprechende Vorgaben könnten sich beispielsweise an der täglichen Zahl von Kundenkontakten, an den Öffnungszeiten oder am Einzugsgebiet orientieren. Stücken-Neusetzer: „Daraus ist leider nur eine recht unverbindliche Formulierung geworden.“ Im Paragraphen 3 ApBetrO („Apothekenpersonal“) schreibt der Gesetzgeber lapidar: „Zur Gewährleistung eines ordnungsgemäßen Betriebs der Apotheke muss das notwendige Personal, insbesondere auch das pharmazeutische Personal, in ausreichender Zahl vorhanden sein.“

„Hoffen wir mal, dass alle Inhaber so verantwortungsvoll handeln und ihre Personalplanung entsprechend anpassen. In den nächsten Jahren werden auf öffentliche Apotheken weitere Tätigkeiten zukommen. Mit dem Medikationsplan ist nur ein erster Schritt getan“, ergänzt die ADEXA-Vorsitzende. „Aufwändige Leistungen lassen sich nicht schnell zwischen zwei Beratungsgesprächen ausführen.“

Michael van den Heuvel

 

Quellen: www.theguardian.com (http://bit.ly/1NBsfvw, http://bit.ly/1Nc2M0M)

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02. Mai 2016

„Geschichte der Gewerkschaften“: Webportal zeigt Errungenschaften und Persönlichkeiten

Screenshot: ADEXA

Was steckt hinter der roten Nelke? Welche zentrale Rolle hatten Frauen in den letzten Jahrzehnten bei Gewerkschaften? Und welche Bedeutung kommt dem Thema Mitbestimmung zu? Antworten auf viele spannende Fragen liefert www.gewerkschaftsgeschichte.de. Das Portal der Hans-Böckler-Stiftung entstand in Zusammenarbeit mit dem Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Unsere Reise beginnt im Deutschland der 1830er Jahre: Schlechte Arbeitsbedingungen, niedrige Löhne und fehlende soziale Absicherung prägen den Alltag von Arbeiterinnen und Arbeitern. Viele formieren sich und kämpfen gemeinsam für ihre Rechte. Aus dieser Bewegung entwickelten sich schließlich die Gewerkschaften. Hunderte historische Fotos und Dokumente, Original-Tonaufnahmen, Filmclips und Spiele laden Sie ein, die Entwicklung bis zum heutigen Tag nachzuerleben.

Neben chronologischen Darstellungen der Gewerkschaftsgeschichte bieten thematische Zusammenfassungen weitere interessante Einblicke. Informieren Sie sich über Mitbestimmung, Frauenpolitik, Arbeitswelt, Sozialstaat und Traditionen der Gewerkschaften. Besonders lesenswert: In der Rubrik „Nachschlagen“ finden Sie die Lebensgeschichten zahlreicher Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, eine ausführliche Chronik, ein Glossar sowie Statistiken.

Zum Portal: www.gewerkschaftsgeschichte.de

Michael van den Heuvel

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13. Juni 2016

ADEXA-Erlebnis- und Gewerkschaftstag 2016: Stressbewältigung durch Achtsamkeit

ADEXAs Erste Vorsitzende Stücken-Neusetzer begrüßte rund 100 Teilnehmer in Dresden beim 6. Erlebnis- und Gewerkschaftstag (Foto: ADEXA/sjo)
Barbara Stücken-Neusetzer gab einen Überblick über die pharmazeutische Tradition Dresdens (Foto: ADEXA/sjo)
Olaf Altner, Psychotherapeut und Achtsamkeits-Lehrer, stellte die Möglichkeiten der Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) vor (Foto: ADEXA/sjo)
Dipl.-Psych. Olaf Altner mit ADEXA-Juristin Minou Hansen (Foto: ADEXA/sjo)
DAZ-Herausgeber und Referent Peter Ditzel mit Barbara Stücken-Neusetzer (Foto: ADEXA/sjo)
Zukunftsvisionen und -szenarien für das Apothekenteam (Foto: ADEXA/sjo
Trotz zunehmernder Digitalisierung bleibt die Empathie gegenüber dem Apothekenkunden wichtig (Foto: ADEXA/sjo)
Gefragtes Programm: Die Veranstaltung in Dresden war ausgebucht (Foto: ADEXA/sjo)
Tamara Schäfer weckte Interesse für die Aromatherapie-Hausapotheke (Foto: ADEXA/sjo)
Viele interessierte Nachfragen: Referentin Tamara Schäfer im Gespräch (Foto: ADEXA/sjo)
Der Leiter der Dresdener Heilpraktiker-Schule, Dietrich Mühlberg, referierte über Nervensystem, Schlafstörungen und Mittel zur Stressbekämpfung (Foto: ADEXA/sjo)
Heilpraktiker Mühlberg: Mittel aus der Phytotherapie und Schüßler-Salze haben keine negativen Auswirkungen auf die Schlafphasen (Foto: ADEXA/sjo)
Alle vier ADEXA-Ehrenmitglieder nahmen am Gewerkschaftstag in Dresden teil: Ina Zenker, Reinhild Berger, Gisa Haeger und Ulla Odendahl (v. l.). Foto: ADEXA/sjo
Dresden zeigt Flagge gegen Fremdenfeindlichkeit (Foto: ADEXA/sjo)
Position beziehen gegen Rassimus und rechtsnationales Gedankengut - auch für Gewerkschaften wichtig (Foto: ADEXA/Susanne Kocheim)
Treppe zur Brühlschen Terrasse (Foto: ADEXA/Susanne Kocheim)
Foto: ADEXA/sjo
Foto: ADEXA/sjo
Foto: ADEXA/sjo
Zwinger (Foto: ADEXA/sjo)
Dresdens Zwinger (Foto: ADEXA/sjo)

Rund einhundert Teilnehmer nahmen am 11. Juni in Dresden am sechsten ADEXA-Erlebnis- und Gewerkschaftstag teil. Die drei Fachvorträge standen unter dem Motto „Gesund und gelassen im Arbeitsalltag“. Außerdem lud DAZ-Herausgeber Peter Ditzel die Anwesenden zu einer Zeitreise in die Apothekenzukunft ein.

In ihrer Begrüßung ging ADEXAs Erste Vorsitzende Barbara Stücken-Neusetzer auf die wirtschaftliche und insbesondere die pharmazeutische Tradition Dresdens ein. Außerdem warf sie einen Blick auf die jüngeren gesellschaftspolitischen Entwicklungen rund um die islam- und fremdenfeindliche Pegida-Bewegung. Als positives Beispiel für den Widerstand gegen dieses rechtspopulistische Gedankengut zitierte Stücken-Neusetzer von der offiziellen Website der Stadt: „Jeder, der einen Neustart in Dresden wagt, hat eine Chance verdient. Das gilt für jeden, der hier ist, und für jeden, der hier ankommt.“  Es sollte aber auch für jede andere Stadt in Deutschland gelten, so die Gewerkschaftsvorsitzende.

Neben den vier ADEXA-Ehrenmitgliedern Reinhild Berger, Gisa Haeger, Ulla Odendahl und Ina Zenker begrüßte Stücken-Neusetzer auch diverse junge Mitglieder, die seit einem ersten Treffen im Hamburg Anfang des Jahres im Kontakt untereinander und mit dem ADEXA-Team stehen.

Achtsamkeit ist mehr als ein Modebegriff

Achtsamkeit – das mag zunächst ein bisschen esoterisch klingen. Tatsächlich hat aber der US-amerikanische Mediziner Jon Kabat-Zinn 1979 an der Universität von Massachusetts ein entsprechendes Programm entwickelt und zunächst an chronischen Schmerzpatienten mit Erfolg erprobt. Mit Dipl.-Psych. Olaf Altner stellte ein ausgewiesener Kenner die Grundzüge der Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) vor. Nach Kabat-Zinn gehören sieben Aspekte zur Achtsamkeit: Nicht-Bewerten, Geduld, Anfängergeist, Vertrauen, Nicht-Tun, Akzeptanz und Loslassen. Das bedeute aber nicht, dass man durch die Methode vor der Realität weglaufe oder Änderungsprozesse unterdrücke. Altner lud die Teilnehmer auch zu einer Übung ein, die man im Rahmen eines informellen Achtsamkeitstrainings im Alltag praktizieren könne.

Viel IT, aber nicht ohne Empathie

Im Anschluss zeigte Peter Ditzel, welche Trends und „Zukünfte“ auf die Apotheken und ihre Teams zukommen. Steigen wird in jedem Fall der Grad der Vernetzung durch IT-Anwendungen, auch wenn gerade mit dem E-Health-Gesetz der Sprung in die digitale Zukunft noch sehr holperig wirkt. Die Denkfabrik 2b AHEAD ThinkTank hat in einer Trendstudie für den Apothekerverband Nordrhein fünf Szenarien für die Apotheke 2026 skizziert, von denen sicher einige oder auch alle gleichzeitig Wirklichkeit werden könnten:        

  • Vollapotheke im Jahr 2026
  • Integration der Apotheke in das MVZ
  • Die digital kompetente Apotheke
  • Die Pflegeapotheke
  • Apotheker als Gesundheitscoach

Neben diesen möglichen Spezialisierungen und der unaufhaltsamen Digitalisierung sieht Ditzel als wesentliche Stärke der Mitarbeiter die Empathie gegenüber den Apothekenkunden.

Schnuppern erlaubt

Tamara Schäfer nahm die Teilnehmer nach der Mittagspause mit auf einen Duftspaziergang durch die aromatherapeutische Hausapotheke: engagiert und von ansteckender Begeisterung für die Anwendungen in Wellness, Therapie und Pflege – mit kleinen Schlenkern zu Haustieren und Küche. „Düfte, die nicht natürlichen Ursprungs sind, haben keine heilsame Wirkung“, so die Referentin. Schäfer empfahl u. a. Orange als Einstiegsduft, Neroli als Notfallöl und Grapefruit zur Raucherentwöhnung. Neben den ätherischen Ölen sind auch die Hydrolate von z. B. Rose oder Pfefferminz interessant.     

Phytos und Schüßler-Salze für die Nerven

Der Leiter der Dresdner Heilpraktikerschule Dietrich Mühlberg empfahl Heilpflanzen sowie die Schüßler-Salze Nr. 5 und Nr. 7, die sich in der Behandlung von stressbedingten Erkrankungen und in der Prävention bewährt haben. Im Gegensatz zu synthetischen Schlafmitteln sind die Auswirkungen pflanzlicher bzw. „biochemischer“ Präparate auf die Schlafqualität und -phasen deutlich günstiger, so die Erfahrung des Heilpraktikers.

Fachgruppentreffen und AG

Für diverse aktive ADEXA-Mitglieder war nach dem Fortbildungsprogramm noch nicht Schluss: So tagten die beiden Fachgruppen ApothekerInnen und  PI/ApothekerassistentInnen und weitere Arbeitsgruppen.

Save the date!

Der 7. ADEXA-Erlebnis- und Gewerkschaftstag findet am 6. Mai 2017 in Mainz statt.

Dr. Sigrid Joachimsthaler