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26. August 2016

Fachkräftemangel günstig für Wechselwillige

In der APOkix-Umfrage des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) vom Juli klagen viele Apothekenleiter über die schwierige Suche nach Mitarbeitern – insbesondere Vollzeitkräften. Die eigenen Ausbildungskapazitäten haben aber viele zurückgeschraubt – und auch eine finanzielle Beteiligung an der PTA-Ausbildung lehnen mit 56 Prozent mehr als die Hälfte ab.

Die Frage stellt sich: Ist der Fachkräftemangel in deutschen Apotheken ein demografisches, ein gesundheitspolitisches oder ein hausgemachtes Problem? Vermutlich kommen mehrere negative Effekte zusammen: Die PKA-Ausbildung ist in manchen Regionen auf nahezu null reduziert, weil man (fälschlicherweise) glaubt, sie nicht effizient einsetzen zu können – und daher lieber auf PTA setzt. Gleichzeitig schließen PTA-Schulen in Hessen und NRW wegen der ausbleibenden staatlichen Förderung. Die vertretungsberechtigten Pharmazie-Ingenieure werden immer weniger: Ende 2015 waren es nur noch 6.145. Und die Zahl der nachrückenden Approbierten deckt den Bedarf nicht, der sich durch die hohe Zahl von Apothekern im (nahen) Rentenalter ergibt.

Bei schrumpfenden Schülerzahlen an den allgemeinbildenden Schulen und dem Hauptaugenmerk der Gesundheitspolitik auf den Pflegeberufen lässt sich dann an zehn Fingern abzählen, dass auf die öffentliche Apotheke Personalprobleme zukommen.

Und was sich aus familienpolitischer Sicht vielleicht erfreulich anhört, nämlich die gute Möglichkeit zur Teilzeitarbeit und der hohe Anteil weiblicher Beschäftigter, ist für diejenigen Apotheker, die Vollzeitkräfte suchen, auch kein echter Trost. Denn Mitarbeiterinnen neigen derzeit noch deutlich mehr zum Teilzeitjob als ihre männlichen Kollegen.

Die Ergebnisse der APOkix-Juli-Umfrage unterstreichen die Brisanz des Personalmangels. Zwei Drittel der Apothekenleiter bewerten die Suche nach Mitarbeitern für Vollzeitstellen als (eher) schwierig. 60 Prozent haben Probleme, offene Stellen adäquat zu besetzen.

Des einen Leid …

… könnte des anderen Freud sein oder werden. Wenn die Stimmung in der Apotheke schlecht ist oder die Bezahlung nicht leistungsgerecht, dann steht in vielen Fällen einem Wechsel in eine andere Apotheke nichts entgegen. Auch wer seine Stundenzahl aufstocken will, wird vermutlich auf offene Ohren stoßen. Außerdem steigen mit der wachsenden Nachfrage auf dem Apothekenarbeitsmarkt die Chancen für eine (höhere) übertarifliche Bezahlung, sei es bei einer Neueinstellung oder auch im laufenden Arbeitsverhältnis (letzteres sollte man in einem gut vorbereiteten Mitarbeitergespräch ansprechen). Sicher lässt sich mit dem Chef auch über eine Unterstützung bei der Kinderbetreuung verhandeln, wenn man dafür früher oder mit höherer Stundenzahl aus der Elternzeit zurückkehrt.

Dass die aktuelle Regierung sich von den derzeitigen Zahlen beeindrucken ließe, steht allerdings kaum zu erwarten. Vermutlich setzt man in Berlin noch länger auf ein „Gesundschrumpfen“ des Apothekenmarktes – und wird dann in ein paar Jahren ganz erstaunt sein, dass die Versorgung in der Fläche durch Präsenzapotheken nicht mehr gewährleistet werden kann.

ADEXAs Zweite Vorsitzende Tanja Kratt kommentiert: „Dennoch sollten sich die Apothekeninhaber als Heilberufler ihrer sozialen Verantwortung sowohl für die Versorgung der Bevölkerung als auch für ihre Angestellten bewusst sein.  Ganz besonders diejenigen, die innerhalb der nächsten zehn Jahre das Rentenalter erreichen – und das sind nach aktuellen Daten mehr als ein Drittel – sind gefordert, einen gut bestellten Acker und keine Brache zu hinterlassen!“    

Dr. Sigrid Joachimsthaler

Institut für Handelsforschung (IFH) Köln, APOkix Juli 2016, Frage des Monats: Pharmazeutisches Personal
Download der Umfrage unter www.ifhkoeln.de/apokix/