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27. Oktober 2016

Erfolgsfaktor Mitarbeiter: Wie sieht die Arbeit der Zukunft aus?

In den nächsten Jahren wird sich unsere Arbeitswelt grundlegend verändern. Eine Kommission hat im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung erste Resultate ihrer Analyse veröffentlicht. Ihr Fazit: Angestellte gewinnen in Zeiten des Fachkräftemangels weiter an Bedeutung. Jetzt sind Arbeitgeber gefordert, einige Rahmenbedingungen zu ändern.

Deutschlands Arbeitswelt ist im Umbruch. Zu den großen Trends gehören der demographische Wandel, das Werte- und Rollenverständnis beziehungsweise neue Digitalisierungsstrategien. Experten untersuchten diese Bereiche im Detail. Am runden Tisch saßen unter anderem Valentina Kerst, Geschäftsführerin der Agentur topiclodge - Strategische Internetberatung, PD Dr. Andreas Boes, Mitglied des Vorstands des ISF München und Privatdozent an der TU Darmstadt, sowie Birgit Steinborn, Gesamtbetriebsratsvorsitzende und stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats der Siemens AG.

Arbeit neu gestalten

Zu den Ergebnissen: Seit den 1970er-Jahren haben sich die Geburtenraten stetig verringert. Einer wachsenden Zahl älterer Menschen steht damit eine immer kleinere Zahl junger Menschen gegenüber. Dieser demographische Wandel hat nicht nur Folgen für unser Sozialsystem. Arbeitgeber aus unterschiedlichen Branchen suchen händeringend nach Fachkräften. Besonders ausgeprägt ist der Mangel im Gesundheits- und Pflegebereich.

Für die Experten geht es nicht nur um den Fachkräftemangel an sich. „Denn die Perspektive der Alterung kann grundsätzlicher ansetzen: Sie lenkt den Blick auf das generelle Verhältnis von Leistung und Beanspruchung, auf die Mechanismen von Verausgabung und auf die Frage nach den Möglichkeiten, Arbeit so zu gestalten, dass Menschen sie auch im Verlauf eines verlängerten Arbeitslebens ausüben können“, schreiben sie in ihrer Stellungnahme. Auch die Ankunft hunderttausender Flüchtlinge sehen sie als Chance und Herausforderung. Deutschland könne sich verjüngen, müsse aber Beiträge zur Integration leisten.

Vereinbarkeit von Beruf und Leben verbessern

Um Angestellte nicht zu verlieren, spielt die Work-Life-Balance ebenfalls eine wichtige Rolle. In Deutschland arbeiten 71,5 Prozent aller Frauen – die traditionelle Rollenverteilung ist längst hinfällig geworden. Gerade junge Paare wünschen sich eine partnerschaftliche Arbeitsteilung, und Betriebe können nicht auf Frauen verzichten. Alte Muster gibt es aber nach wie vor. Meistens reduzieren Frauen ihre Arbeitszeit, um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu betreuen. In diesem Zusammenhang gewinnen neue Modelle des Arbeitens an Bedeutung, Stichwort Home Office. Gleichzeitig wächst der Bedarf an sozialen Dienstleistungen wie Kinderbetreuung, Pflege und Hilfe im Haushalt.

Digitalisierung: Chance oder Risiko?

Zu ähnlichen Veränderungen führt die zunehmende Digitalisierung. Hier tun sich Experten schwer, alle Effekte endgültig zu bewerten. Sie analysieren derzeit, welche Folgen neue Technologien auf Arbeitsformen, Arbeitszeiten, Einkommen, Qualifizierungsnotwendigkeiten oder auf unsere Gesundheit haben. Eine zentrale Fragestellung: Wie gelingt es, die Chancen von mobilem Arbeiten zu nutzen, ohne die völlige Entgrenzung von Arbeit und Leben zu befördern? Antworten werden sich erst in nächster Zeit finden lassen. Hier sind Gewerkschaften, Arbeitgeber und Politiker gefragt, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen.

Werte: Arbeiten auf Augenhöhe

Nicht nur der technische Fortschritt, sondern auch die Einstellung zu unserer Arbeit bestimmt unsere Zukunft. Sichtweisen und Prioritäten ändern sich. Immer mehr Angestellte sind gut ausgebildet. Sie wünschen sich keine starren Hierarchien, sondern Akzeptanz und Mitgestaltung. „Wettbewerbsorientierung und Statussymbole verlieren an Bedeutung – Arbeitszeitsouveränität wird wichtiger als der Dienstwagen“, heißt es dazu im Report. Gleichzeitig weiß die „Generation Y“, dass es keine Anstellung auf Lebenszeit gibt. Man ist flexibel, fordert die gleiche Flexibilität aber auch vom Job und vom Arbeitgeber.

Michael van den Heuvel

 

Quelle:

Website: http://www.boeckler.de/61420.htm

 

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27. Oktober 2016

EuGH: Besinnen wir uns auf unsere Stärken. Ein Kommentar von Barbara Stücken-Neusetzer

Vor rund einer Woche fällte der Europäische Gerichtshof (EuGH) sein Urteil zur Rx-Preisbindung für ausländische Versandapotheken. Standesvertreter reagierten mit Empörung. „Jetzt ist die deutsche Politik gefordert“, so ABDA-Präsident Friedemann Schmidt in einer Pressemeldung. „Der Gesetzgeber muss schon aus eigenem Interesse seinen Handlungsspielraum wiederherstellen.“

Schmidt hält ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln in Deutschland für europarechtlich zulässig. Konstantin Primbas, Inhaber der deutschen Versandapotheke Aponeo, entgegnet: „Wenn die Preisbindung jetzt gelockert wird, dann muss sie auch konsequent für alle Marktteilnehmer gelockert werden.“ Inländische Apotheken dürften nicht benachteiligt werden. Alle Marktteilnehmer rufen einmal mehr nach dem „großen Bruder“ in Berlin.

Damit wird es allein aber nicht getan sein. Klar ist auch, dass Präsenzapotheken eine wichtige Funktion erfüllen. Und das sollten wir immer wieder kommunizieren. Öffentliche Apotheken beraten niedrigschwellig, ohne Terminvereinbarung, dafür mit viel Empathie. Wir sind auch für geriatrische  sowie schwer oder akut kranke Menschen da: im persönlichen Gespräch von Mensch zu Mensch und im Notdienst sogar nachts und an Sonn- und Feiertagen.

Wir liefern dringend benötigte Arzneimittel innerhalb kürzester Zeit oder haben die Präparate vorrätig. Wir fertigen Rezepturen an und geben BtM ab. Das leisten Versender wie DocMorris eben nicht. Dafür brauchen Apotheken aber eine wirtschaftliche Grundlage. Diese wäre durch die Freigabe der Arzneimittelpreisverordnung – wie sie jetzt für ausländische Versandapotheken gelten soll – gefährdet.

Deshalb fordern wir von der Politik schnelles Handeln. Unsere Arzneimittelversorgung soll die Qualität behalten, die sie heute hat. Ein Kaputtsparen des nationalen Systems durch vermeintliche Boni für einzelne Patienten führt in die entgegengesetzte Richtung. Schon heute beklagt die Politik in ländlichen Gebieten einen Mangel an Ärzten und Fachärzten. Soll das auch für Apotheken um sich greifen? Wir sollten auch mit Patienten darüber sprechen – schon morgen im HV.