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07. November 2016

Wer hat Angst vorm Betriebsrat und warum? WSI-Studie und Erfahrungen aus Apotheken

Unternehmen im Zuständigkeitsbereich der Gewerkschaften IG BCE und IG Metall behindern offenbar jede sechste Betriebsratsgründung. Aber auch in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie und im Gastgewerbe versuchen Arbeitgeber, die gesetzlich verbrieften Mitbestimmungsrechte zu torpedieren. Dabei handelt es sich überproportional oft um inhabergeführte Firmen, mehrheitlich in der Größenklasse von 50 bis 200 Mitarbeitern. Dass aber ein Betriebsrat für beide Seiten Vorteile bringen kann, zeigen Beispiele aus öffentlichen Apotheken.

Martin Behrens und Heiner Dribbusch vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung haben für ihre aktuelle Untersuchung 159 hauptamtliche Gewerkschafter von IG BCE, IG Metall und NGG zu ihren Erfahrungen mit Betriebsratswahlen befragt. Vorweg: Ihre Auswertungen weisen in die gleiche Richtung wie eine frühere WSI-Untersuchung von 2012. „Besonders gegen Neugründungen von Betriebsräten gehen Unternehmen häufig aggressiv vor“, heißt es in der Pressemitteilung.  

Wahlsabotage

In den Fällen, in denen Arbeitgeber Betriebsratswahlen behindern, tun sie das, indem sie mögliche Kandidaten einschüchtern (71 %), die Bestellung eines Wahlvorstands zu verhindern versuchen (66 %) bzw. arbeitgebernahe Kandidaten unterstützen (43 %). In jeweils einem Fünftel der betroffenen Unternehmen wurde versucht, Betriebsratskandidaten trotz des Sonderkündigungsschutzes zu kündigen, wurde der zuständigen Gewerkschaft der Zugang zum Betrieb verwehrt oder wurden Kandidaten durch Geld zum Rückzug bewogen.

Behinderung gewählter Gremien

Wenn es das Mitbestimmungsorgan schon gibt, heißt das noch nicht, dass Frieden einkehrt. Auch hier gibt es Wahlbehinderungen, Drängen auf Rücktritt oder sogar Kündigungen, wenn auch in geringerem Umfang als bei der Neubildung von Betriebsräten.

Gute Erfahrungen aus Apotheken

Dazu sagt ADEXAs Erste Vorsitzende Barbara Stücken-Neusetzer: „Erfreulicherweise gibt es einige sehr positive Erfahrungen mit Betriebsräten in  Apotheken. Davon kann zum Beispiel unsere Landesvorsitzende aus dem Saarland, Michaela Jäger, berichten. Sie ist selbst schon seit Jahren aktive Betriebsrätin und das mit der vollen Zustimmung und Unterstützung ihres Chefs. Und auch in unserer aktuellen Ausgabe der ADEXA-Mitgliederzeitschrift Spektrum erzählt ein ADEXA-Mitglied in einem Interview über die gute und entlastende Tätigkeit des Betriebsrats in einem süddeutschen Filialverbund. Ich möchte daher insbesondere Angestellte in größeren Apotheken ermuntern, die Wahl eines solchen Gremiums ins Auge zu fassen. Natürlich gibt es dazu von ADEXA auf Wunsch Unterstützung.“

Dr. Sigrid Joachimsthaler

Quelle: Pressemeldung vom 3.11.2016 (www.boeckler.de)

Betriebsratswahlen

Ein Betriebsrat kann in jedem Betrieb mit fünf oder mehr „ständigen wahlberechtigten Arbeitnehmern“ gewählt werden. Wahlberechtigt sind alle Arbeitnehmer inkl. Auszubildenden, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. Auch teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer werden, anders als beim Kündigungsschutz, voll mitgerechnet. Die Größe des Betriebsrats hängt von der Größe des Betriebes ab:

  • 5 bis 20 Arbeitnehmer: 1 Person
  • bis zu 50 Arbeitnehmer: 3 Personen
  • bis zu 100 Arbeitnehmer: 5 Personen
  • bis zu 200 Arbeitnehmer: 7 Personen
  • ab 201 Arbeitnehmer: 9 Personen

Mehr Infos zur Betriebsratswahl und -arbeit unter im Loginbereich für unsere Mitglieder.

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07. November 2016

Das war der 12. Leipziger Fortbildungstag: Gesund von der Pubertät bis zur Postmenopause

Die Ruth-Pfau-Schule in Leipzig-Grünau ist Veranstaltungsort des Leipziger Fortbildungstages. Er fand 2016 zum zwölften Mal statt. (Foto: ADEXA/sjo)
Hier haben früher Pharmazie-Ingenieure studiert. Jetzt werden u. a. PTA ausgebildet. (Foto ADEXA/so)
Die Ruth-Pfau-Schule ist staatlich. PTA-SchülerInnen müssen hier kein Schulgeld bezahlen (Foto ADEXA/so)
Birgit Engelmann vom ADEXA-Landesvorstand Sachsen sowie Leiterin der Fachgruppe PI eröffnete den Fortbildungstag. (Foto ADEXA/sjo)
Minou Hansen hatte wie in den Vorjahren das Fortbildungsprogramm zusammengestellt. (Foto ADEXA/sjo)
Der Hörsaal der Ruth-Pfau-Schule fasst über 120 Zuhörer (Foto ADEXA/sjo)
Margit Schlenk, Dr. Bettina Dörr und Marion Sparenberg referierten zu Hormonen, Mikronährstoffen und typischen Frauenerkrankungen (Foto ADEXA/sjo)
Apothekerin Marion Sparenberg war schon zum wiederholten Mal als Referentin nach Leipzig eingeladen (Foto ADEXA/sjo)
Dr. Bettina Dörr stellte Ergebnisse der Nationalen Verzehrstudie II vor, die z. T. erhebliche Mikronährstoff-Defizite belegt (Foto ADEXA/sjo)
"Kampf mit den Hormonen" - so der Titel des Vortrags von Apothekerin Margit Schlenk (Foto ADEXA/sjo)
Margit Schlenk empfahl Wege aus der Estrogen-Dominanz (Foto ADEXA/sjo)
Stressmanagerin Tatiana Dikta ging auf Stressoren am Arbeitsplatz ein und empfahl zertifizierte Präventionsseminare nach § 20 SGB V (Foto ADEXA/sjo)
Die Veranstaltung war schon im Vorfeld ausgebucht. (Foto ADEXA/sjo)
Die Teilnehmer konnten sich am ADEXA-Stand mit Informationen und Material versorgen. (Foto ADEXA/sjo)
Die bunten Glasfenster im 1. Stock der Ruth-Pfau-Schule zeigen pharmazeutische Motive (Foto ADEXA/sjo)
Jedes Motiv ist einem bestimmten Ausbildungsjahrgang zugeordnet (Foto ADEXA/sjo)
Solche liebevollen Details heben die Schule positiv von manch modernerem Gebäude ab. (Foto ADEXA/sjo)
Auch Apotheker haben hier zu DDR-Zeiten ihre Kenntnisse aufgefrischt (Foto ADEXA/sjo)
"Die Dosis macht das Gift": Ein Fenster zu Ehren von Paracelsus (Foto ADEXA
Christoph Wilhelm Hufeland war ein deutscher Arzt und Sozialhygieniker (Foto: ADEXA/sjo)

Ob Frauen gesund oder krank sind, hängt vielfach mit ihrem Hormonhaushalt zusammen. Dieser wiederum ist abhängig von einer ausreichenden Zufuhr an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Drei der vier Vorträge auf dem 12. Leipziger Fortbildungstag drehten sich daher um die hormonelle Regulation und den spezifischen Bedarf an Mikronährstoffen in den weiblichen Lebensphasen von der Pubertät bis über die Menopause hinaus – und natürlich in der Schwangerschaft. Abgerundet wurde das Programm durch einen Vortrag zum Thema Stressprävention.

Bereits zum zwölften Mal trafen sich an der Leipziger Ruth-Pfau-Schule fortbildungsinteressierte ADEXA-Mitglieder und Nichtmitglieder zu einer Veranstaltung mit doppeltem Charme:  Neben hochkarätigen Referentinnen zu einem spannenden Themenschwerpunkt – ein Wunsch der Teilnehmer vom Vorjahr – ist für viele Pharmazie-Ingenieure und PTA das Wiedersehen mit ihrer früheren Ausbildungsstätte in Leipzig-Grünau ein besonderes Erlebnis.

Die mit rund 120 Personen frühzeitig ausgebuchte Veranstaltung lockte außer sächsischen Apothekenangestellten auch Gäste aus anderen Bundesländern an. Als Ehrengäste konnten die Organisatoren in diesem Jahr auch drei Vorstandsmitglieder vom BPhD begrüßen. Außerdem waren etliche aktive junge ADEXA-Mitglieder anwesend, die sich am folgenden Tag noch zu einem Strategieworkshop trafen.

Von Honeymoon Cystitis und „Schokoladenzysten”

Nach der Begrüßung durch Birgit Engelmann, Leiterin der Fachgruppe PI bei ADEXA und Mitglied des Landesvorstands Sachsen, startete Apothekerin Marion Sparenberg den Fortbildungstag. Typische Frauenerkrankungen wie Dys- und Hypermenorrhoe, Endometriose, Myome und Zysten, bakterielle und Candida-Infektionen sowie die sogenannte Honeymoon Cystitis mit ihren jeweiligen Therapieoptionen und den richtigen Beratungsempfehlungen für die Apotheke standen im Mittelpunkt ihres Vortrags.  

11 Scheiben Vollkornbrot – oder doch lieber substituieren?

Dr. Bettina Dörr aus München referierte zur Frage, welche Mikronährstoffe für Frauen in den verschiedenen Lebensphasen wichtig sind – und ob man seinen Bedarf durch eine ausgewogene Ernährung decken kann. Nein, lautete u. a. für Vitamin D die Antwort, das in Deutschland nur in den Sommermonaten ausreichend vom Körper gebildet werden kann. Selbst ein bewusster Speiseplan deckt nur einen einstelligen Prozentsatz ab.

Schwerpunkte legte Dörr auf das Vitamin B6 während der Pubertät, Omega-3-Fettsäuren (DHA) und Methyl(tetrahydro)folat für Schwangere, Coenzym Q10 und Magnesium in der Prämenopause sowie Calcium und Vitamin D in den Wechseljahren.  

Raus aus der Estrogendominanz

… so lautet das Credo von Apothekerin Margit Schlenk. Viele Frauen haben heute mit einem überhöhten Estrogenspiegel und dessen Folgen zu kämpfen – Gründe dafür sind unter anderem das verbreitete viszerale Bauchfett, aber auch Weichmacher aus Plastik. Zusammen mit dem Estrogen stand die gesamte Hormonkaskade von der Schilddrüse bis zu den Geschlechtshormonen im Fokus. Schlenks Rat: Traubensilberkerze und Mönchspfeffer können sowohl gegen Wechseljahrsbeschwerden als auch gegen Muskel- und Gelenkschmerzen eingesetzt werden. Soja-Estrogene seien nicht empfehlenswert, weil sie die Schilddrüse hemmten. Jod als Brain-Nutrient sei für Schwangere wichtig, um die Entwicklung des embryonalen Gehirns zu fördern, aber auch für Kinder und junge Menschen bis zum 21. Lebensjahr.

Stress? Kassen fördern Präventionskurse!

Stressmanagementtrainerin Tatiana Dikta kennt als PTA die Stressoren bei der Arbeit in der Apotheke aus eigener Erfahrung. Sie bot in ihrem Vortrag zunächst einen Überblick über Definitionen von und Reaktionen auf Stress, einschließlich der typisch weiblichen Doppelbelastung durch Familie und Beruf. Welche Wege es aus dem ganz individuell empfundenen Stress geben kann und welche Kriterien man bei der Suche nach Präventionskursen beachten sollte, das sind Themen, die Mitarbeiter sowohl für die Beratung von Patienten als auch für die eigene Gesundheitsvorsorge tangieren.

Dr. Sigrid Joachimsthaler

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31. Oktober 2016

Apotheker ohne Grenzen: Auf Haiti wird noch mehr Hilfe benötigt

Die Folgen von Hurrikan Matthew: Frau vor ihrer überschwemmten Hütte (© AoG-Archiv/Bettina Rüdy)
Leisten Nothilfeeinsatz auf Haiti: v.l.n.r. Eliette Fischbach, Bettina Rüdy, Barbara Leimkugel und Dorothea Wedler (© Aog-Archiv)

Am 4. Oktober zog der Hurrikan „Matthew“ mit verheerenden Folgen über Haiti hinweg. Die Apotheker ohne Grenzen (AoG) sind bereits seit dem 13. Oktober vor Ort und bitten weiterhin um Spenden.

Laut dem UN-Nothilfe-Koordinationzentrum OCHA ist die Bedürftigkeit der Menschen in Haiti weiter angewachsen. Mittlerweile liegen verlässlichere Zahlen vor, die die erschreckenden Zustände erahnen lassen: 900.000 Menschen benötigen eine Cholera-Impfung, um gegen die drohende Epidemie gewappnet zu sein. 894.057 Kinder befinden sich unter den 2,1 Millionen Menschen, die Opfer des Hurrikans „Matthew” wurden. Von diesen benötigen 1,4 Millionen dringend humanitäre Hilfe und über 800.000 zusätzlich Nahrungsmittel. Bei über 100.000 Kindern besteht das Risiko der akuten Unterernährung. Es handelt sich um die größte humanitäre Krise seit dem Erdbeben im Jahr 2010. Aufgrund der mangelnden Versorgung der Sturmopfer kam es bereits zu ersten gewaltsamen Ausschreitungen. Die zerstörte Infrastruktur macht die Versorgungslage noch schwieriger, hinzu kommen andauernde sintflutartige Regenfälle, die wieder und wieder alles unter Wasser setzen.

Die verletzten und obdachlos gewordenen Haitianer benötigen dringend zumindest eine Basisgesundheitsversorgung, zumal sich neben Cholera auch bereits Shigella-Infektionen ausbreiten.

Gemeinsam mit einer medizinischen US-Partnerorganisation leisten die Apotheker ohne Grenzen Nothilfe in Les Cayes/Department Sud, der drittgrößten Stadt Haitis, die schwer von „Matthew“ getroffen wurde. Nach Apothekerin Bettina Rüdy aus Nordrhein-Westfalen und AoG-Geschäftsführerin Eliette Fischbach, zuständig für die Einsatzvorbereitung (Transport, Arzneimittelimport, Logistik etc.), trafen am vergangenen Wochenende die Apothekerinnen Dorothea Wedler (Bayern) und Barbara Leimkugel (Nordrhein-Westfalen) in Haiti ein, um die Medikamentenversorgung der Menschen zu verbessern. Sie sind in Les Cayes stationiert, fahren jedoch zusätzlich mit mobilen Kliniken ins Umland.

Da die desaströse Lage nach weiterer Hilfe verlangt, wird sich bereits in der kommenden Woche das dritte, ehrenamtliche AoG-Einsatzteam auf den Weg machen: die Apothekerinnen Maria Baumann und Barbara Weinmüller aus Bayern.  Ein viertes pharmazeutisch kompetentes Duo steht auf Abruf bereit.

AoG-Geschäftsführerin Eliette Fischbach, die gemeinsam mit Bettina Rüdy den AoG-Einsatz vorbereitet hat: „Hier kann man von unserer in Deutschland üblichen medizinisch-pharmazeutischen Versorgung nur träumen. Unsere Hilfe ist gefordert und dennoch ist es sehr aufwändig, Hilfspersonal und vor allem die Arzneimittel nach Haiti zu bringen. Doch angesichts des unfassbaren Elends der Menschen nehmen wir alle diese Mühen gern auf uns.“

Quelle: AoG-Pressemitteilung vom 28.10.2016

Bitte unterstützen Sie die Nothilfe der Apotheker ohne Grenzen.

Spendenkonto:                              
Deutsche Apotheker- und Ärztebank 
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