zurück zur Übersicht AKTUELLES >>

09. November 2018

„Fatales Signal der Arbeitgeber“: Interview mit dem ADEXA-Vorstand zum Abbruch der Tarifverhandlungen

v. l.: ADEXA-Vorstand Andreas May und seine Vorstandskollegin Tanja Kratt, die Leiterin der ADEXA-Tarifkommission. (Foto: ADEXA)
Auch die AG Filialleitung bei ADEXA spricht sich für eine tarifliche Einstufung für die Schlüsselposition Filialleitung aus. (Foto: contrastwerkstatt/Fotolia)

Am 7. November hat die ADEXA-Tarifkommission die Verhandlungen über einen neuen Bundesrahmentarifvertrag mit dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) abgebrochen. Zu den Gründen und der Frage, wie es jetzt weitergeht, ein Interview mit den ADEXA-Vorständen Tanja Kratt und Andreas May:

Frau Kratt, an Sie als Leiterin der Tarifkommission von ADEXA die erste Frage: War absehbar, dass die Verhandlungen an dieser Stelle platzen könnten?

Tanja Kratt: Nein, eigentlich sind wir sehr zuversichtlich nach Berlin gefahren. Unsere Forderungen waren der Arbeitgeberseite frühzeitig übermittelt worden, so dass klar war, worum es gehen würde. Ich nenne hier die Stichworte Wochenarbeitszeit, Urlaubsanspruch, Details rund um die Sonderzahlung,  Verbesserung der Nachtnotdienstvergütung, Streichung der 13-Prozent-Regelung beim Notdienst sowie ein Filialleitertarif. Also alles Themen, die den Apothekenangestellten sehr wichtig sind und die die Attraktivität der Apothekenberufe steigern würden.

Wir haben aber vom ADA unmissverständlich erklärt bekommen, dass sie mit uns nur über redaktionelle Änderungen sprechen würden. Alles, was Geld kostet, könnten wir vergessen. Dafür gäbe es kein Mandat der ADA-Mitgliederversammlung.

Nachdem feststand, dass der ADA selbst keinerlei substanzielle Vorschläge mitgebracht hatte und unsere Forderungen nicht einmal diskutieren wollte, haben wir die Verhandlungen abgebrochen.

Im Übrigen muss sich die Arbeitgeberseite überlegen, welches fatale Signal sie in Richtung Apothekenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sendet durch derart ignorantes Verhalten.

Sie sprachen gerade von der ADA-Mitgliederversammlung: Wie sehen denn überhaupt die Entscheidungsstrukturen bei ADEXA und beim ADA in tariflichen Dingen aus?

Kratt: Bei ADEXA werden die ehrenamtlichen Mitglieder der Tarifkommission alle fünf Jahre gewählt, wir als hauptamtliche Vorstände sind gesetzt. Unsere Kommission hat dann das Mandat, Tarifverträge abzuschließen. Das macht uns im Vergleich zum ADA deutlich schneller und effizienter, dort müssen jegliche Entscheidungen durch Abstimmungsrunden einer Mitgliederversammlung laufen. Diese Organisationsstruktur macht die Verhandlungen leider oft zäh und unflexibel. Anders bei der TGL Nordrhein: Hier kommen auch von den Arbeitgebern Vorstöße und innovative Ideen.

Was erwartet ADEXA jetzt vom ADA? Wie soll, wie kann es weitergehen?

Andreas May: Der ADA hat jetzt noch einmal eine Denkpause bekommen. Ich hoffe, er nutzt sie besser als die vergangenen Monate. Der Bundesrahmentarifvertrag ist ja von uns bereits Ende 2017 zum Jahresende 2018 gekündigt worden. Es gab also eigentlich genug Zeit, um sich Angebote zu überlegen, die die Apothekeninhaber im Wettbewerb um Fachkräfte stärken – und die die Arbeit in der öffentlichen Apotheke für den Berufsnachwuchs und die erfahrenen Kräfte attraktiver werden lassen.

Das macht mich offen gesagt ziemlich fassungslos, dass hier eine ähnliche geistige Unbeweglichkeit zu herrschen scheint wie öfter auch in der apothekerlichen Standespolitik.   

Kratt: Bis zum Jahresende 2018 ist nicht mehr viel Zeit, im Januar beginnt die Nachwirkung des jetzigen BRTV. Ich glaube nicht, dass es den Bundesgesundheitsminister positiv beeindruckt, wenn wir ihm im Januar erzählen, dass die Apothekenleiter keinen Änderungsbedarf sehen für die Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeiter. So ein Aussitzen wirkt nicht gerade vorteilhaft. Und den schwarzen Peter nur der Politik zuzuschustern – Stichwort Rx-Versandverbot und Apothekenhonorierung –, ist in diesem Fall auch keine kluge Strategie. Natürlich setzen wir uns als Gewerkschaft auch für eine bessere Honorierung der Apotheken ein. Aber es ist nicht allein unsere Aufgabe, für die Apotheken die Kartoffeln aus dem Feuer zu holen.

Fragen: Sigrid Joachimsthaler

zurück zur Übersicht AKTUELLES >>

11. November 2018

Bericht vom 14. Leipziger Fortbildungstag: Arrhythmien, Allergien und Adipositas

Zum 14. Leipziger Fortbildungstag kamen rund 90 Teilnehmer, um sich über die Themen QT-Verlängerung, Übergewicht sowie Lebensmittelunverträglichkeiten zu informieren. (Foto: ADEXA/sjo)
ADEXA-Vorstand Andreas May mit der Hamburger Referentin Dr. Dorothee Dartsch und Minou Hansen, die die Veranstaltung organisiert hatte (Foto: ADEXA/sjo)
ADEXAs Erster Vorsitzender Andreas May begrüßte neben den angereisten Mitgliedern und Nichtmitgliedern auch ADEXA-Aktive und Ehrengäste im Hörsaal der Ruth-Pfau-Schule (Foto: ADEXA/sjo)
Im ersten Vortrag erläuterte Apothekerin Dr. Dorothee Dartsch die Zusammehänge zwischen QT-Verlängerung, Kammerflimmern und Herzstillstand (Foto: ADEXA/sjo)
Dartsch gab Entscheidungshilfen für den Fall, dass im Interaktions-Check ein erhöhtes Risiko für ventrikuläre Rhythmusstörungen angezeigt wird. (Foto: ADEXA/sjo)
In der Pause tauschte sich Andreas May mit dem stellvertretenden Schulleiter Friedhelm Schlüter und dem ehemaligen Leiter der PI-Schule, Gerhardt Taube, aus (v. r.). (Foto: ADEXA/sjo)
Als zweite Referentin beim diesjährigen Leipziger Fortbildungstag begrüßte Andreas May die Ökotrophologin Dr. Silke Bauer aus Gengenbach (Foto: ADEXA/sjo)
Dr. Silke Bauer gab viele wissenwerte Informationen zur Beratung bei Übergewicht und Adipositas sowie bei den verschiedenen Typen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Foto: ADEXA/sjo)
An der staatlichen Ruth-Pfau-Schule in Leipzig-Grünau wurden früher Pharmazieingenieure ausgebildet und inzwischen schon viele PTA-Jahrgänge. (Foto: ADEXA/sjo)
Früher haben sich viele Ausbildungsjahrgänge und Kurse mit einem pharmazeutischen Glasbild im Treppenhaus oder 1. OG der ehemaligen PI-Schule verewigt. (Foto: ADEXA/sjo)
Bitte vormerken: Für den 16. November 2019 ist der nächste Leipziger Fortbildungstag von ADEXA an der Ruth-Pfau-Schule geplant. Das Thema wird sich an Wünschen der Teilnehmer orientieren. (Foto: ADEXA/sjo)
Die Apothekengewerkschaft bedankt sich bei den Verantwortlichen der Leipziger Ruth-Pfau-Schule für die langjährige Unterstützung der Veranstaltung (Foto: ADEXA/sjo)
2017 wurde der Ruth-Pfau-Schule der Titel "Schule der Toleranz" verliehen. Bereits am Eingangstor weist ein Schild darauf hin, dass hier kein Platz für Rassismus ist. (Foto: ADEXA/sjo)

Was tun, wenn im HV bei einer Verordnung ein Warnsignal erscheint, dass die Medikation das QT-Intervall verlängert und Kammerflimmern  hervorrufen könnte? Wie berät man Patienten mit Übergewicht bzw. Nahrungsmittelunverträglichkeiten? Drei hochkarätige Vorträge stießen in Leipzig auf sehr offene Ohren.

2005 fand zum ersten Mal an der Ruth-Pfau-Schule in Leipzig-Grünau ein Fortbildungstag von ADEXA statt – damals noch mit der Zielgruppe Pharmazieingenieure. Seit diversen Jahren richtet sich die Veranstaltung an alle interessierten Apothekenangestellten. Und so konnte ADEXA-Vorstand Andreas May neben etlichen PI auch viele PTA und Approbierte im großen Hörsaal begrüßen. Neben dem stellvertretenden Schulleiter Friedhelm Schlüter und Anja Pforte, Fachkonferenzleiterin PTA, war als Ehrengast auch der ehemalige Direktor der PI-Schule, Gerhardt Taube, anwesend. Von den ADEXA-Aktiven nahmen u. a. die frühere Landesvorsitzende von Sachsen, Annerose Berndt (jetzt Regionsvorstand Mitte & Ost) und die Leiterin der ADEXA-Berufsgruppe PI, Birgit Engelmann teil.

Dosisabhängiges Risiko

Mit einem Fallbeispiel aus der Apotheke und einem kurzen historischen Rückblick startete Apothekerin Dr. Dorothee Dartsch ihren Vortrag zur Frage „QT-Verlängerung – intervenieren oder ignorieren?“ Was sollte man über die Dosierung, den Patienten und seine weitere Medikation wissen, um sich für oder gegen einen Anruf beim verordnenden Arzt zu entscheiden? Welche Wirkstoffe sind kritisch? Welche Unterschiede gibt es zwischen Männern und Frauen? Ein anspruchsvolles Thema, das sehr spannend und gut nachvollziehbar präsentiert wurde. Fazit: Verzichten kann man auf QT-verlängernde AM als therapeutische Option nicht, aber im Einzelfall sollte man genauer hinsehen!

Abspecken: Die Suche nach dem passenden Weg

Auf die richtige Ansprache kommt es an, wenn man zum Thema Übergewicht beraten will. Das machte die Ökotrophologin Dr. Silke Bauer in ihrem ersten Vortrag ganz deutlich: Programme müssen zur jeweiligen Person passen und sie motivieren, statt abzuschrecken. So sollte der Fokus auf dem liegen, was man essen darf – und nicht auf Verboten. Außerdem sei wie beim Sprachenlernen die regelmäßige Übung wichtig. Bauer ging auch darauf ein, dass Medizinprodukte nur als anfängliche Unterstützung dienen könnten; langfristig ginge es nicht ohne eine dauerhafte Änderung des Ess- und Bewegungsverhaltens.

Lebensmittelunverträglichkeiten (LMU)

Sind manche Nahrungsmittelunverträglichkeiten nur ein Modehype – etwa, wenn die angeblich laktoseintolerante Freundin einen Cappuccino mit normaler Milch trinkt? Welche Testverfahren eignen sich, um allergische  bzw. nichtallergische LMU oder eine Zöliakie zu bestimmen – und wer kann diese durchführen? An den Beispielen Milcheiweißallergie versus Laktoseintoleranz, Fruktosemalabsorption sowie Histaminintoleranz machte Silke Bauer deutlich, was man für die Beratung wissen muss – und welche Infos auch im Alltag gegen die derzeitige Verunsicherung beim Thema Essen helfen können.

Minou Hansen, die den Leipziger Fortbildungstag organisiert hatte, freute sich über die sehr gute Bewertung der Teilnehmer. „Bei Bianca Grützmacher möchte ich mich besonders für ihre tatkräftige Unterstützung bedanken – und bei den Verantwortlichen der Ruth-Pfau-Schule, dass wir jedes Jahr dieses einmalige Ambiente nutzen können.“ Andreas May ergänzt: „Außerdem ein Dank an unsere Ehrenamtlichen vor Ort, ohne die solche Veranstaltungen nicht möglich wären!“

Bitte vormerken: 15. Leipziger Fortbildungstag

Der nächste Leipziger Fortbildungstag ist für den 16. November 2019 geplant. Halten Sie sich den Termin am besten gleich im Kalender frei.

Sigrid Joachimsthaler

Alle Termine im Überblick