zurück zur Übersicht AKTUELLES >>

13. Juli 2018

ADA verletzt Regeln von Tarifverhandlungen - Kommentar von Tanja Kratt

In einem Interview* hat Theo Hasse, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Deutscher Apotheken (ADA), gesagt, ADEXA sei bei der Tarifverhandlung mit einer Forderung von 5,6 Prozent „abgeblitzt“. Dies sollte sicher Apothekenleiter beeindrucken oder sogar auf die Palme bringen. Das ist Hasse mit Sicherheit gelungen, führt aber zu einem völlig verzerrten Bild der Realität.

Wie laufen Tarifverhandlungen eigentlich ab? Auch der ADA unterbreitet uns zu Beginn Gehaltsangebote, die schon mal mit einer Null vor dem Komma beginnen. Und ADEXA stellt entsprechende Gegenforderungen auf. Das ist ein übliches Verhandlungsprozedere bei Tarifverhandlungen aller Branchen. Gute Sitte und lang geübte Praxis ist allerdings auch, dass diese Zahlen nicht öffentlich gemacht werden – weder von ADEXA, noch vom ADA.

Dass Hasse diese Regel missachtet, ist für ADEXA nicht nachvollziehbar, deutet aber darauf hin, dass „der schwarze Peter“ uns als Gewerkschaft zugeschoben werden soll.

Fakt ist: ADEXA fordert eine längst überfällige Honorierung für fort- und weitergebildete MitarbeiterInnen sowie einen eigenen und zeitgemäßen Tarifvertrag für Filialleitungen. Und selbstverständlich verlangen wir für alle Apotheken-MitarbeiterInnen eine angemessene Gehaltserhöhung.

Der ADA sah bei der letzten Runde allerdings keine Notwendigkeit, fort- und weitergebildete MitarbeiterInnen besonders zu honorieren oder FilialleiterInnen im Tarifvertrag separat einzugruppieren. Darüber hinaus sollten MitarbeiterInnen höherer Berufsjahresgruppen mit gerade einmal 1,0 Prozent abgespeist werden. Dass wir solch ein „Angebot“ ausschlagen müssen, liegt auf der Hand.

Tanja Kratt
ADEXA – Die Apothekengewerkschaft
Zweite Vorsitzende

*Quelle: apotheke adhoc, https://bit.ly/2N8ypJS

 

Wie geht es mit den Tarifverhandlungen weiter? Drei Fragen an Tanja Kratt

Die erste Runde ist gescheitert. Was erwarten Sie jetzt?  
Kratt: Wir erwarten, dass der Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) uns einen neuen Terminvorschlag für August unterbreitet. Die ADEXA-Kommission hat in der Verhandlung klar gefordert, dass der ADA jetzt ein akzeptables Gehaltsangebot machen muss. Mit einer Umgruppierung der Gehaltsklassen nach dem Modell von Nordrhein sind wir jedenfalls nicht einverstanden. Eine Sache stelle ich klar: ADEXA ist für weitere Gespräche offen.

Wie könnte ein akzeptables Angebot denn aussehen?
Wir erwarten eine angemessene Gehaltssteigerung für alle Berufsgruppen, aber auch eine spezielle Honorierung für FilialleiterInnen und für besonders fortbildungsaktive KollegInnen.

Arbeitgeber argumentieren, sie könnten sich keine Gehaltserhöhung leisten. Was sagen Sie dazu?
Kratt: Dieses Argument hören wir seit Jahren. Auch Angestellte müssen ihren – immer teurer werdenden – Lebensunterhalt bestreiten. Dass kleine Apotheken leider zugrunde gegangen sind, hat laut DAV-Wirtschaftsforum unterschiedliche Gründe. Unsere Tarifabschlüsse waren immer mit Augenmaß.

mvdh

zurück zur Übersicht AKTUELLES >>

11. Juli 2018

Ungleiche Bezahlung gleichwertiger Arbeit - Neue Studie zum Gender Pay Gap

Nach wie vor liegen die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern bei 21,3 Prozent. Forscher zeigen jetzt, dass typische Frauen- oder Männerberufe trotz vergleichbarer Anforderungen verschieden bezahlt werden.

Um Einkommensunterschiede zu erklären, ist häufig zu lesen, Frauen würden die „falschen“, also schlechter bezahlte Berufe wählen. Ute Klammer vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) und Kolleginnen haben jetzt auf wissenschaftlicher Basis untersucht, was Arbeit eigentlich wert ist. Um Anforderungen in unterschiedlichen Jobs vergleichbar zu machen, entwickelten sie den „Comparable-Worth-Index“ (CW-Index). Er umfasst diverse Parameter, etwa Wissen, besondere Fähigkeiten, psychosoziale und physische Belastungen, aber auch das Maß an Verantwortung einer bestimmten Tätigkeit. Anhand von Befragungsdaten errechnete Klammer dann CW-Index-Werte, ermittelte Bruttostundenlöhne und erfasste den Prozentsatz an Frauen bzw. Männern im jeweiligen Bereich.

Gleiche Kompetenz, gleiche Ansprüche, verschiedene Gehälter

Sie identifizierte Berufe mit gleichem CW-Index (also gleichen erforderlichen Qualifikationen und sonstigen Voraussetzungen), aber unterschiedlichem Geschlechterverhältnis. Elektroingenieure/innen (8 Prozent Frauen) und Grundschullehrer/innen (94 Prozent Frauen) sind die Extrembeispiele. Obwohl es Klammer zufolge keine nachvollziehbaren Gründe gibt, erhalten Angestellte in der Männerdomäne Ingenieurswesen 30,13 Euro brutto pro Stunde, während es in der Frauendomäne Grundschullehramt 17,87 Euro sind.

Klammer fand heraus, dass Verdienste zwar mit steigendem Anforderungsniveau anwachsen, allerdings in unterschiedlichem Maße. Bei Männern führte ein zusätzlicher Punkt beim CW-Index zu 6,4 Prozent mehr Lohn, bei Frauen waren es 4,7 Prozent.

Sie erklärt rund 10 Prozentpunkte des aktuellen Gender Pay Gaps von 21,3 Prozent mit diesem Effekt. Weitere rund 11 Prozentpunkte gingen auf unterschiedliche Berufserfahrungen von männlichen oder weiblichen Arbeitnehmern und auf sonstige Effekte zurück.

mvdh

Quelle

Ute Klammer, Christina Klenner, Sarah Lillemeier: „Comparable worth“: Arbeitsbewertungen als blinder Fleck in der Ursachenanalyse des Gender Pay Gaps? WSI-Study Nr. 14, Juni 2018, online unter https://bit.ly/2NJJqTe.

Alle Termine im Überblick