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18. März 2019

Die Zukunft liegt im Filialverbund: Interpharm mit ADEXA

Der Wettbewerb um gute Mitarbeiter wird die Apothekenlandschaft der Zukunft vielleicht ähnlich stark prägen wie die Digitalisierung. Allerdings hat nur ein Teil der Arbeitgeber dies bisher verstanden – so der Eindruck auf der diesjährigen Interpharm.

Wie schon in den Vorjahren bot auch der 30. Fortbildungskongress wieder fachlichen Input für alle Apothekenberufe und alle Ausbildungsstufen. Das zeigte sich nicht nur am Programm und den gut besetzen Sälen, sondern auch am ADEXA-Stand auf der pharmazeutischen Ausstellung. PKA-Schülerinnen bzw. -Azubis, PTA-Nachwuchs, Studierende und Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) kamen zwischen den Vorträgen, um sich über die Apothekengewerkschaft zu informieren. Und mit André Becker bzw. Veronika Ehmann war an jedem Interpharm-Tag ein Ansprechpartner von den JuMis, den jungen Mitgliedern bei ADEXA, am Stand, um Fragen zu beantworten.

Aber natürlich waren unter den Besuchern auch gestandene Kolleginnen und Kollegen, davon diverse bekannte Gesichter, sowie einige Apothekenleiter und -leiterinnen. ADEXAs Messechefin Minou Hansen: „Vor allem am Samstag war richtig viel Betrieb! Wir haben uns auch über positive Rückmeldungen zu unserer arbeitsrechtlichen Unterstützung gefreut. Außerdem gab es viele gute Gespräche mit Lehrkräften von PTA- und PKA-Fachschulen.“

Politische Diskussion

ADEXA-Vorstand Andreas May zog ebenfalls ein positives Fazit der Interpharm 2019: „Neben dem fachlichen Input ist der Kongress immer eine wunderbare Plattform zum Netzwerken. Das war auch in Stuttgart wieder der Fall.“ Aus berufspolitischer Sicht spannend war für May die Diskussionsrunde am Samstag mit der CDU-Gesundheitspolitikerin Karin Maag, Biggi Bender und Dr. Christopher Herrmann als Vertreter der Krankenkassen sowie DAV-Chef Fritz Becker – auch wenn sich erwartungsgemäß keine wirklich fassbaren Ergebnisse in puncto angestrebter Gleichpreisigkeit herauskristallisierten.

Das Wetter vor Ort war denn auch symptomatisch für die aktuelle gesundheitspolitische Großwetterlage: graue Wolken, kühle Temperaturen, Nieselregen – und noch kein Sonnenstrahl in Sicht.

Filialapotheker gefragt

„Für uns als Gewerkschaft war am Samstag aber vor allem der Filialapothekentag wichtig“, betonte May. „Mittlerweile gibt es über 4.500 Filialapothekenleiterinnen und -leiter. Und weil die Zahl der Apotheken insgesamt rückläufig ist, wird die Filialleitung noch an Bedeutung innerhalb der Apothekenlandschaft zunehmen. Deshalb ist es unbedingt nötig, dass diese Funktion tarif- und berufspolitisch gestärkt wird.“

Der Deutsche Apotheker Verlag geht das Thema erfreulicherweise sowohl mit seiner Interpharm-Vortragsreihe an als auch mit einem neuen Magazin: Eins & Drei wird künftig sechsmal im Jahr erscheinen und richtete sich sowohl an die Filialleiter als auch die Inhaber in den Filialverbünden.

„Die Zahl Vier war ein Glückgriff“

Die Entwicklung der Filialisierung von 2004 bis heute stellte Dr. Thomas Müller-Bohn dar. Der Pharmakoökonom sieht drei Trends für die weitere Zukunft: Übernahmen, Schließungen von unrentablen Filialen und wachsende Verbünde. Dass 2004 eine maximale Größe von vier Apotheken im Filialverbund gewählt worden sei, bezeichnete Müller-Bohn als Glücksgriff. Und diese großen Verbünde seien auch diejenigen, deren Anteil aktuell und künftig noch zunimmt.

Um die Mitarbeiterakquise und die gute Führung des Mitarbeiterteams durch die Filialleitung ging es in den nachfolgenden Vorträgen. Internetseiten und die Suche nach Bewerbern via Social Media spielen hier eine wachsende Rolle; dies ist aber in vielen, gerade kleineren Apotheken noch sehr ausbaufähig.

Podiumsdiskussion

Die Frage nach einem Tarifgehalt für Filialleiter bestimmte anschließend die von DAZ-Chefredakteur Dr. Armin Edalat moderierte standespolitische Diskussion. Ein eher ungewohntes Bild, das man sich öfter wünschen würde: Hier wurden berufspolitische Themen in einer durchweg weiblichen Runde diskutiert.

Filialleiterin Elfriede Hoffmann, langjährige ADEXA-Aktive und Ansprechpartnerin der ADEXA-AG Filialleitung, erläuterte zu Beginn, warum aus Gewerkschaftssicht eine eigene tarifliche Einstufung für die Filialleitung unbedingt nötig ist. Bundesweit seien verlässliche Rahmenbedingungen für beide Seiten wichtig. Mit Nordrhein sind hierzu 2019 Verhandlungen geplant.

Anike Oleski, Inhaberin eine großen Filialverbundes in Berlin, hält einen Filialleitertarifvertrag dagegen nicht für nötig. Allerdings nutzt auch sie den Tarifvertrag als Orientierung bei den Gehältern.

Cynthia Milz, Filialleiterin und Mitglied des Geschäftsführenden ABDA-Vorstands, startete zwar mit der Aussage „Bei der ABDA ist der Filialleiter kein Thema“. Sie betonte aber auch, dass sie es gut finde, dass ADEXA die Interessen der Filialleiterinnen aufgreift. Auch in der Nachwuchskampagne der ABDA spiele die Filialleitung keine hervorgehobene Rolle, so Milz auf Nachfrage. Die Anregungen aus der Diskussion wolle sie aber nach Berlin mitnehmen.

Anja Keck, ebenfalls Filialleiterin und Mitinitiatorin der drei Qualitätszirkel Filialleitung in Westfalen-Lippe, wundert sich, warum die Arbeitgeber in Zeiten des Fachkräftemangels die Chancen nicht ergreifen wollten, die ein Tarifvertrag bieten könne. Dabei geht es ihr nicht nur um das Gehalt, sondern auch um Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit und Urlaub.

„Daumen hoch für den Tarifvertrag“

Aus dem Publikum meldete sich u. a. der Chef des Arbeitgeberverbandes ADA, Theo Hasse. Im Gegensatz zur TGL Nordrhein steht der ADA einem Filialleitertarif bisher ablehnend gegenüber. „Unter 20 Prozent über Tarif läuft nichts, das muss klar sein“, gab Hasse aber zu. Und weiter: „Wir sind lernfähig“, wenn es tatsächlich mit der TGL zu einem praktikablen Abschluss käme.

Eine anwesende Filialleiterin betonte, wie wichtig ein Tarifvertrag gerade für junge Kolleginnen sei, die oft noch blauäugig in die Verhandlungen für ihren Arbeitsvertrag gingen.

Mit Blick auf die von einem Inhaber vorgeschlagene Erfolgsbeteiligung mahnte ein junger Kollege, nötig sei dann eine qualitative Grundsicherung, damit man nicht letztlich weniger bekomme als ein normaler Approbierter. Hier hakte auch Anja Keck ein: Was bedeuten 20 Prozent über Tarif für einen Filialleiter, wenn andere Approbierte schon 15 Prozent über Tarif bekämen, aber wesentlich weniger Verantwortung trügen?

Andreas Mays Fazit am Ende des Filialapothekentages: „Diese Diskussion ging ganz in unsere Richtung.“ 

Sigrid Joachimsthaler

 

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