Arbeitsrechtliche Hinweise für PTA im Praktikum

Nach dem ersten Prüfungsabschnitt müssen angehende PTA einen sechsmonatigen praktischen Ausbildungsteil in einer Apotheke absolvieren. Hier einige Hinweise:

Ausbildungsvertrag

Ein Ausbildungsvertrag sollte in jedem Fall – möglichst noch vor Beginn des Praktikums – abgeschlossen werden. Wichtige Vertragsinhalte wie beispielsweise die Länge der Probezeit, die wöchentliche Ausbildungszeit, der Urlaubsanspruch und die Höhe der Ausbildungsvergütung sollten schriftlich festgehalten werden.

Ein Leitfaden für die praktische Ausbildung inkl. Ausbildungsvertragsformular ist beim Govi-Verlag erhältlich:

Herbert Gebler, Leitfaden für die praktische Ausbildung der PTA-AnwärterInnen in Apotheken, Govi-Verlag, 14., überarbeitete Auflage 2014, ISBN: 9783774112506, Euro 8,90.

Probezeit

In der Regel wird eine vierwöchige Probezeit vereinbart. Achtung: In einigen Standard-Ausbildungsverträgen ist geregelt, dass man während der Probezeit ohne Einhalten einer Kündigungsfrist (und ohne Angabe von Gründen) jederzeit kündigen kann. Empfehlenswert ist jedoch eine Kündigungsfrist von wenigstens einer Woche zu vereinbaren, wenn man bedenkt, dass eine Praktikantin bei Kündigung von Arbeitgeberseite von heute auf morgen auf der Straße stehen könnte. Die Möglichkeit zur fristlosen Kündigung aus wichtigem Grund bleibt in jedem Fall erhalten.

Urlaub

Der Urlaubsanspruch beträgt 1/12 des Jahresurlaubsanspruches für jeden vollen Monat der Betriebszugehörigkeit. Geht man vom tariflichen Urlaubsanspruch aus, ergibt sich folgende Berechnung:

33 (Tage Jahresurlaub) : 12 (Monate) x 6 (Monate Praktikum) = 16,5** =  17 Werktage Urlaub.

Urlaubsanspruch für volljährige Praktikanten ohne Tarifbindung:

24 (Tage Jahresurlaub) : 12 (Monate) x 6 (Monate) = 12 Werktage Urlaub

** Ergibt sich bei der Urlaubsberechnung eine ungerade Summe, so ist ab 0,5 auf einen vollen Urlaubstag aufzurunden. Ergebnisse unter 0,5 werden in Arbeitsstunden umgerechnet.

Fehlzeiten/Krankheit

Nach § 17 der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für PTA darf die praktische Ausbildung (einschließlich Urlaub!) nicht länger als vier Wochen unterbrochen werden. Die darüber hinausgehende Zeit muss nachgeholt werden.

Vergütung

Die Vergütung wird sich in aller Regel nach dem Gehaltstarifvertrag für Apothekenmitarbeiter richten. Zurzeit (Stand 2016) beträgt die tarifliche Praktikantenvergütung monatlich 670,00 Euro (brutto). Ein konkreter Anspruch lässt sich allerdings nur bei beiderseitiger Tarifbindung ableiten bzw. aus dem Ausbildungsvertrag, wenn dort die tarifliche Ausbildungsvergütung vereinbart wurde.

Andernfalls gilt laut Berufsbildungsgesetz, dass ein Praktikum als Lernverhältnis „angemessen“ vergütet werden muss.


Buchtipp

Annette Lüdecke

Der erste Tag – Fit für den Berufseinstieg Apotheke

Deutscher Apotheker Verlag 2017; kartoniert, 121 Seiten, 37 farbige Abbildungen, 5 farbige Tabellen, ISBN 9783769270068; 18,90 Euro

Der praktische Teil der Ausbildung dauert bei PTA sechs und bei Pharmazeuten im Praktikum zwölf Monate. Er soll auf den späteren Beruf vorbereiten, aber auch auf die jeweils letzte Prüfung. Da ist es wichtig, dass angehende PraktikantInnen gut gerüstet und informiert in diese neue Phase starten.

Am Anfang steht – nach einer kurzen Zusammenfassung der Rechte und Pflichten im Praktikum – der Arbeits- bzw. Praktikumsvertrag. Dabei fehlt auch nicht der Hinweis auf den Gehaltstarifvertrag bei der Vergütung und auf die rechtliche Hilfe von ADEXA für Mitglieder bei Klärungsbedarf. Und schon auf Seite 6 folgt der Infokasten zur Apothekengewerkschaft – inklusive Infos zur Tarifbindung.

Bei der „Vorbereitung auf den ersten Tag“ gibt Annette Lüdecke diverse gute Tipps zu Fragen, die man vorab mit dem künftigen Arbeitgeber klären sollte. Auch der Hinweis für PhiP auf den PJ-Leitfaden der Bundesapothekerkammer mit Musterausbildungsplan und 27 Arbeitsbögen ist vorhanden. 

Es folgt ein Überblick der Apothekenberufe mit ihren Befugnissen. Unter der Headline „Willkommen im Team“ geht es um die Kommunikation im Kollegenkreise sowie den Umgang mit verschiedenen Kollegentypen. Entsprechend gibt es auch eine kleine Typologie der Chefs: vom Choleriker über die "Kümmerin" bis zum sachlichen Zahlentyp.

Das Kapitel „Das erste Geld“ beginnt mit den Ausbildungsvergütungen nach Tarifvertrag (Achtung: Stand vor der Tariferhöhung zum 1.6.2017), befasst sich mit den verschiedenen Sozialversicherungen und Steuern sowie der Rolle der Kammern und Versorgungswerke und schließt mit einem Blick auf die Gehaltsabrechnung.

Im fünften Kapitel stellt Lüdecke die Abläufe und Aufgaben in der Apotheke vor, beginnend beim Auf- und Zuschließen bis hin zum Kundentelefonat im Backoffice. Auch Labor und Rezeptur, die Vorbereitung auf die Beratung in der Offizin, Selbstmedikation und Messungen werden vorgestellt. Beim Thema Kundenkontakt stellt die Autorin verschiedene Kundentypen und Tipps für die Gespräche mit ihnen vor.

Den Abschluss macht ein Blick auf wichtige Termine und Fristen für angehenden Apotheker und PTA, auf Versicherungen und das Thema BAföG-Rückzahlung sowie den ersten Notdienst als Approbierte/r.

Mein Fazit: wirklich lesefreundlich, gut strukturiert und sehr informativ!

Dr. Sigrid Joachimsthaler