PTA-Ausbildung: Die Novellierung ist überfällig!

Warum ist eine Novellierung nötig?

2018 feiert der PTA-Beruf sein 50-jähriges Jubiläum – wenn das kein Grund zur Freude ist! Würden Sie die Abkürzung PTA auch so vervollständigen: Phänomenal Toller Ausbildungsberuf? Denn es ist wirklich ein phantastischer Beruf mit vielen interessanten Facetten.

Fakt ist aber auch, dass viele PTA heute – fünf Jahrzehnte nach dem Inkrafttreten des PTA-Gesetzes im Jahr 1968 – mit dem Status quo der Ausbildung nicht mehr zufrieden sind. Eine Online-Umfrage, die ADEXA mit dem BVpta unter PTA-Schülerinnen und -Praktikantinnen sowie gestandenen Kolleginnen und Kollegen durchgeführt hat, untermauert noch einmal, was die ADEXA-Berufsgruppe PTA schon lange fordert: 2,5 Jahre Ausbildung sind nicht genug, um für diese anspruchsvolle Arbeit richtig gerüstet zu sein. Die Zeit in der Schule ist zu knapp und die praktische Ausbildung in der Apotheke allzu oft einseitig oder lückenhaft. Und nicht zuletzt: Andere Gesundheitsfachberufe und auch der PKA-Beruf haben eine dreijährige Ausbildung.

Die Umfrageergebnisse und eine Bewertung aus Gewerkschaftssicht finden Sie weiter unten auf dieser Seite. 

 

Die PTA-Berufsgruppe bei ADEXA

Die ADEXA-Berufsgruppe PTA befasst sich seit Jahren mit dem Thema Ausbildungsnovellierung und steht dazu im Kontakt mit der Bundesapothekerkammer und diversen Landesapothekerkammern, mit dem BVpta, Vertretern der PTA-Schulen sowie dem Bundesgesundheitsministerium.

Ingrid Heberle (Foto ADEXA)

Ausbildungszeit verlängern!

Umfrage unter PTA zur Ausbildungsnovellierung

Soll es eine Novellierung der PTA-Ausbildung geben und wenn ja, was soll verändert werden? Damit befasst sich die jüngste Umfrage von ADEXA unter PTA. Die Antworten von über 900 Befragten sind eindeutig: 77 Prozent der Befragten wünschen sich, dass die PTA-Ausbildung verlängert wird!

Initiiert wurde die Umfrage von der ADEXA-Berufsgruppe PTA in Kooperation mit dem Referat Schulen & Unis sowie dem BVpta.

Allein das Ergebnis pro und contra Verlängerung spricht eine deutliche Sprache: Gut drei Viertel der Befragten befürworten eine Verlängerung der Ausbildungszeit auf drei Jahre. Lediglich ein Anteil von insgesamt 20 Prozent spricht sich dagegen aus.

Dieses Ergebnis deckt sich im übrigen mit einer ADEXA-Umfrage von 2016 unter jungen PTA und PTA in Ausbildung. Auch damals hatten sich 80 Prozent für eine Verlängerung ausgesprochen.

Verlängerung: Praktikum oder Schulzeit?

Neben der grundsätzlichen Frage, ob es überhaupt eine Verlängerung geben sollte, sorgt eine weitere Frage vor allem unter Experten auf berufspolitischer Ebene und im Lehrpersonal seit Jahren für Zündstoff: nämlich, ob die zusätzliche Zeit im Praktikum oder in der Schule verbracht werden sollte.

Die befragten PTA äußern sich auch hier eindeutig: Über die Hälfte wünscht sich eine Schulzeitverlängerung. Knapp unter einem Viertel der Befragten befürwortet eine Verlängerung des Praktikums. Auch dieses Ergebnis deckt sich mit der Umfrage von 2016.

Praktikum: viel Licht, viel Schatten

Eine Verlängerung des Praktikums wäre aus Sicht von ADEXA nur dann sinnvoll, wenn diese Zeit hauptsächlich und zuverlässig als Lernzeit genutzt wird. Und das ist leider nicht in jeder Apotheke der Fall. Erfahrungen, dass dies sehr stark von der Qualität und Organisation der Praktikumsapotheke abhängt, mahnen zur Vorsicht. Es gäbe viele Praktikanten, die zwar sehr viel in den Apotheken zu tun hätten und dabei bestimmt auch viel lernen. Die tatsächlichen Ausbildungs- und Prüfungsinhalte fallen aber nicht selten „hinten rüber“, weil das Tagesgeschäft schlichtweg keine Zeit übrig lässt.

Allein schon die Führung des Praktikumstagebuchs ist bei zwei Drittel der Befragten nicht zuverlässig in der Apotheke möglich. Diese verpflichtende Tätigkeit muss mindestens gelegentlich, bei fast der Hälfte der Befragten aber grundsätzlich zu Hause erledigt werden, also außerhalb der eigentlichen Praktikumszeit. Dabei haben wir es mit einem Vollzeitpraktikum zu tun!

Verbindlicher Leitfaden gewünscht

Dass sich gut 90 Prozent der Befragten einen verbindlichen Leitfaden für das Praktikum wünschen, spricht auch für sich. Und es nährt die Zweifel, ob es sinnvoll ist, den Lernort Apotheke vom zeitlichen Umfang zu verdoppeln.

Einen praktikumsbegleitenden Unterricht fänden über 80 Prozent der Befragten sinnvoll, und zwar lieber regelmäßig in die Arbeitswochen integriert anstelle von Blockunterricht. Hier wünschen sie sich einen praxisunterstützenden Unterricht, der auf ihren Praktikumserfahrungen aufbaut und die Themen behandelt, mit denen sie täglich konfrontiert sind, wie etwa Selbstmedikation, Rabattverträge und Hilfsmittelbelieferung sowie Gesprächsführung im HV. (Grafiken als PDF)

Was wird in der Schulzeit vermisst?

Lediglich jede/r sechste Befragte hat in der schulischen Ausbildung nichts vermisst. Die Abfrage, bei welchen Inhalten das Pensum in der Schule verändert werden sollte, zeigt: Viele PTA wünschen sich, die Stundenzahl in diversen Fächern noch zu erhöhen (etwa Arzneimittelkunde oder Galenik) bzw. keinesfalls zu kürzen (zum Beispiel Chemie). Lediglich bei Allgemeinbildenden Fächern wie Deutsch oder fachbezogene Fremdsprachen und in der physikalischen Gerätekunde sehen die Befragten Kürzungsmöglichkeiten. (Grafiken als PDF)

Die Ergebnisse stützen die Forderungen von ADEXA

Die Wünsche der Mehrheit der Befragten sind – wie Anfang 2016 – nahezu deckungsgleich mit den Forderungen von ADEXA an die Politik. Auch ADEXA fordert bereits seit Jahren eine Verlängerung der Schulzeit um sechs Monate. Dass die Ergebnisse sich hier wiederholen, zeigt auch, dass es sich eben nicht um eine Momentaufnahme handelt. Sie bilden vielmehr die erfahrungsbasierte Meinung derjenigen ab, die die Ausbildung durchlaufen und diesen Beruf ausüben.

Die Befragten wissen sehr genau, was sie in Sachen PTA-Ausbildung wollen: mehr Zeit zum Lernen und deutlich weniger Stress und Druck, um den umfangreichen und für die Praxis in der Apotheke so wichtigen Lernstoff in der Schule aufzunehmen. Der Handlungsbedarf ist enorm und aus Sicht von ADEXA ist ein weiteres Aufschieben von Entscheidungen schlichtweg unverantwortlich.

Vor dem Hintergrund des jetzt schon regional spürbaren Fachkräftemangels muss der Beruf attraktiver gemacht werden. Und das beginnt bei der Ausbildung. Sie sollte in Zukunft so gestaltet sein, dass PTA mit einem guten Wissenstand in den Beruf starten: ohne die Erfahrung von Dauerstress und ständigem Druck in der Schulzeit, und dafür mit einem hohen und möglichst lückenlosen Wissensstand.

Michaela Freudenfeld, Leiterin Referat Schulen & Unis bei ADEXA

Dr. Sigrid Joachimsthaler

 

Drei Fragen an Ingrid Heberle

Leiterin der ADEXA-Berufsgruppe PTA

Frau Heberle, haben die Antworten der Befragten zur PTA-Ausbildung Sie überrascht?

Die Umfrageergebnisse überraschen nicht wirklich, denn unsere Arbeitsgruppe hat die Wünsche und Anregungen der KollegInnen von Anfang an in die Beratungen einbezogen. Daher deckt sich das Ergebnis mit unseren Forderungen nach einer Verlängerung der Ausbildung. Die Situation der PraktikantInnen, die wenig bis gar keine Zeit in den für PTA relevanten Aufgabengebieten (HV, Rezeptur) zubringen können, fordert einen verbindlichen Ausbildungsplan. Da sich zudem die Ausbildungsapotheken sehr stark unterscheiden, ist eine Verlängerung des Praktikums eher kritisch zu sehen.

Was fangen Sie bzw. die ADEXA-Berufsgruppe jetzt mit den Ergebnissen an?

Die Berufsgruppe wird die Umfrage dazu nutzen, die Novellierung auf allen Gesprächsebenen zu forcieren. Sobald die neue Regierung steht und die Gesprächspartner feststehen, werden wir unsere Kontakte nutzen. Parallel dazu werden wir den Leitfaden für das Praktikum überarbeiten und an die aktuellen Anforderungen anpassen.

Was halten Sie von den Plänen der Großen Koalition, das Schulgeld für Gesundheitsfachberufe und damit auch für PTA-SchülerInnen abzuschaffen? 

Es wäre ein richtungweisendes Signal an alle Schulabgänger, eine schulgeldfreie Ausbildung zu ermöglichen. Da sich der PTA-Beruf inzwischen zu einem Mangelberuf entwickelt hat, könnten mehr junge Leute für diesen schönen Beruf begeistert werden. Eine Ausbildung ist dann nicht mehr vom Geldbeutel der Eltern abhängig.

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