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22. Februar 2021

Kinderbonus sinnvoller als Mehrwertsteuersenkung: Analyse der Effekte staatlicher Instrumente

Forscher der Hans-Böckler-Stiftung haben ökonomische Instrumente der Bundesregierung aus Corona-Zeiten untersucht. Pro Euro aus Steuergeldern zeigten Maßnahmen zur Familienförderung den stärksten Nutzen, so ihr Ergebnis. 

Was brachten unterschiedliche Fördermaßnahmen während der SARS-CoV-2-Pandemie? Dieser Frage ist ein Team um Professor Dr. Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung nachgegangen. Die Forscher befragten im November 2020 mehr als 6.100 Erwerbstätige und Arbeitsuchende. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten Eltern beide Raten des Kinderbonus von zusammen 300 Euro erhalten und Konsumenten hatten bereits mehrere Monate Erfahrungen mit der niedrigeren Mehrwertsteuer gemacht. Daten aus dem April und dem Juni 2020 dienten als Vergleich. 

Mehrwertsteuersenkung größtenteils verpufft

Zwar berichteten im November 2020 knapp 30 Prozent der Studienteilnehmer von niedrigeren Preisen, verglichen mit rund sechs Prozent im Juni. Etwa 13 Prozent gaben an, Preisvorteile seien ihnen als Kunden nicht zugutegekommen (Juni: 58 Prozent). 

Trotz dieser positiven Auswirkung veränderte sich am Kaufverhalten wenig. Lediglich 4,5 Prozent gaben an, sie hätten zusätzliche Anschaffungen getätigt, und weitere 16 Prozent sagten, sie hätten Käufe vorgezogen (Stand November). Haushalten mit Rücklagen investierten eher als solche ohne finanziellen Puffer (18 Prozent versus 11,5 Prozent).

Das deckt sich mit Daten des ifo-Instituts: Mehrwertsteuersenkungen im Umfang von 20 Milliarden Euro erhöhten den Konsum lediglich um 6,3 Milliarden Euro.

Kinderbonus kurbelt die Wirtschaft an 

Ganz andere Ergebnisse brachten Analysen des Kinderbonus zu Tage. Diese Fördermaßnahme richtete sich an Haushalte mit Kindern und mit niedrigem beziehungsweise mittlerem Einkommen. Daten aus dem November 2020 zeigen, dass 37 Prozent der Befragten die Fördersumme komplett und weitere 27 Prozent zumindest teilweise ausgeben haben. Über alle Haushalte gemittelt, hatten Familien 51 Prozent der Gelder bereits genutzt. Speziell bei kinderreichen Familien, die Netto-Einkommen unter 1.500 Euro angaben, lag der Wert bei 80 Prozent. 

„Unsere Analyse liefert starke Indizien dafür, dass der Kinderbonus im Verhältnis zum eingesetzten Steuergeld weitaus mehr `Wumms´ gebracht hat als die zeitweilige Senkung der Mehrwertsteuer“, kommentiert Dullien. „Denn von den für den Bonus ausgezahlten Mitteln dürften knapp zwei Drittel für zusätzlichen Konsum genutzt werden, gut die Hälfte war sogar schon kurz nach der Auszahlung ausgegeben.“ 

Auch aus Sicht von ADEXA ist es nötig, den Familien in der andauernden Pandemie finanzielle Boni zu gewähren. Dazu ADEXA-Vorstand Andreas May: „Viele Eltern hatten Gehaltseinbußen durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit. Dazu kommt die Betreuung zu Hause, wenn Kita bzw. Schule geschlossen sind. Da ist es wichtig, dass der Staat zumindest signalisiert, dass er um diese Belastung weiß, und einen gewissen Ausgleich gewährt.“ 

Michael van den Heuvel

Quelle: 

Jan Behringer, Sebastian Dullien, Sebastian Gechert: Wirkung des Konjunkturpakets 2020, online unter: https://bit.ly/3a3k93p

Weitere Informationen: 

Im Mai soll es einen weiteren, einmaligen Corona-Kinderbonus von 150 Euro für jedes Kind geben, das zu diesem Zeitpunkt kindergeldberechtigt ist. Der Gesetzgebungsprozess läuft noch.

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